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A Taste of a Poison Paradise

…wie Britney Spears sagen würde. Es kommt immer öfter vor, dass Frauen als auch Männer in eine toxische Beziehung geraten, in der sie sich selber verlieren. Klammerauf hat mit der 23-Jährigen Studentin Lola und dem ebenfalls 23-Jährigen Student Fritz über ihre Erfahrungen mit dem „Giftigen Paradies“ gesprochen.

Toxische Verhaltensweisen zeigen sich auf ganz verschiedener Art und Weise. Wortmanipulationen, Lügen, subtile Abwertungen, die immer mehr den eigenen Selbstwert kleiner werden lassen. Vermutlich ist es die intensivste Liebe, aber dafür auch die gefährlichste, die mit Narzisst:innen eingegangen wird. Oft realisiert man gar nicht mehr, wie sehr man sich eigentlich von seinem Gegenüber abhängig macht, bis das eigene Umfeld einen darauf aufmerksam macht. Man hat Angst für die eigene Beziehung verurteilt zu werden und traut sich nicht darüber zu sprechen. Es kann uns allen passieren.

Klammerauf: Was versteht ihr unter einer toxischen Beziehung und Verhaltensweisen? Wo fängt sie für euch an?

Fritz: (Anm. die Namen der Interviewpartner:innen wurden von der Redaktion geändert) Unter einer toxischen Beziehung verstehe ich, dass dem Partner oder Partnerin Grenzen gesetzt werden, die bei einer normalen Beziehung komplett untergeordnet sind. Bei einer normalen Beziehung ist eine Grenze gegenüber eine:r Partner:in beispielsweise, dass er oder sie nicht fremd geht. Doch bei einer toxischen Beziehung zeigt es sich so, dass dir in der Partnerschaft bereits gewisse Kleinigkeiten verboten werden. Das kann sich in Form von physischem als auch verbalem Missbrauch zeigen. 

Lola: Eine toxische Beziehung fängt für mich da an, wenn man sich sehr abhängig von einer Person macht. Sich ständig darüber Gedanken macht, wo die Person gerade ist. Dass man nicht mehr alleine funktionieren kann.

Klammerauf: Wie machten sich eure Partner in eurer Partnerschaft bemerkbar? 

Fritz: Meine Partnerin war jedes Mal eifersüchtig auf meine engen Freunde, was sich auch auf mein Verhalten ausgewirkt hat. Ich habe mich zurückgezogen, abgegrenzt von meinem Umfeld und bin bei Treffen mit Freund:innen immer früher nach Hause gegangen. Ich fühlte mich unter Druck gesetzt so schnell wie möglich zu ihr zu fahren.

Lola: Er hat mir immer das Gefühl gegeben hat, dass alles meine Schuld sei. Ich dachte auch immer, ich müsste irgendwie besser werden und bin nie gut genug, in dem was ich tue. 

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© Emma Werner

Klammerauf: Beginn der Beziehung: Zeigten sich dort schon toxische Züge oder erst später?

Fritz: Trotz unseres großen Verliebtseins, zeigte sich von Beginn an eine permanente Kontrolle. Unter Freund:innen mussten wir uns meistens absondern und sie hatte immer das Gefühl ich würde meinen Freunden mehr Aufmerksamkeit schenken.

Lola: Es wurde eigentlich erst mit der Zeit toxisch. Wir haben uns so abhängig voneinander gemacht, dass wir uns auch ständig gestritten haben, wegen der kleinsten Angelegenheiten. 

Klammerauf: Wie hat sich die Situation auf euer Selbstwertgefühl ausgeprägt? 

Fritz: Ich brauchte irgendwann immer emotionale Unterstützung durch sie, was ich mir ohne ein vermitteltes Selbstwertgefühl nicht alleine geben konnte. Selbstwertgefühl wurde immer nur noch durch externe Quellen aufgebaut und ich habe keinen Fokus mehr auf mein eigenen Gefühle gelegt. Ich habe alleine gar nicht mehr funktioniert. 

Lola: Mein Selbstwertgefühl war immer noch ganz gut, eigentlich. So wie er mich behandelt hat, war es wie Zuckerbrot und Peitsche, sodass er immer teilweise richtig süß war und dann auf einmal richtig böse. Wenn er dann böse war, versuchte ich alles, dass er mir wieder diese Liebe gibt. Man ist irgendwann bereit sich selbst zurückzustellen.

Klammerauf: Wie lange seid ihr in der Situation geblieben? 

Fritz: Ich war irgendwann in diesem permanenten Kreislauf. Am Anfang war alles so lieb und harmonisch und daran hat man sich dementsprechend auch immer zurückerinnert. Es wurde versucht, die Vergangenheit wieder aufzuholen und hat sich wieder auf die Beziehung eingelassen. Ich hab mich dann aber wirklich nur noch unwohl und nicht verstanden gefühlt, weshalb ich einen Schlussstrich ziehen musste! 

Lola: (lacht ironisch) Lange. 4 Jahre. Die toxische Beziehung wird normalisiert. Es ist ein Teufelskreis und man denkt, überhaupt nicht mehr davon loszukommen. Ich hatte ständige Angst ihn zu verlieren und hab wirklich alles gegeben, damit dies nicht passiert. 

Erfahrungen mit Narzisst:innen

Klammerauf: Woran erkennt man eurer Meinung nach einen Narzisst:in oder narzisstische Züge?

Fritz: Egoismus. Narzisst:innen haben nur sich im Kopf, und nie das Wohl anderer, interessieren sich hauptsächlich nur für sich. Wollen immer die Aufmerksamkeit von allen beziehen und das um jeden Preis. Sie geben nie etwas was zurück, es wird sich nie revanchiert.

Lola: Er hat mir immer das Gefühl gegeben, dass es meine Schuld sei. Nie eingesehen, dass es auch seine Schuld hätte sein können. Es machte sich auch eine extreme Empathielosigkeit bemerkbar. Aber ich bin mir sogar sehr sicher, dass das nie mit Absicht war, sondern eben normal für ihn. 

Klammerauf: Wie habt ihr euch aus der Abhängigkeit befreit? 

Fritz: Umfeld ändern, Hilfe akzeptieren, suchen und annehmen von deinen Mitmenschen. Sich davon befreien. Selbst aber auch Fehler eingestehen, reflektieren und auf jeden Fall Zeit für sich selber nehmen. 

Lola: Mir wurde ganz gut deutlich gemacht von meinen Freunden und Familie, dass es so nicht weitergehen kann. Definitiv habe ich auch Hilfe angenommen. Ich habe darüber nachgedacht, wie ich ohne ihn war und wollte dann selber wieder zu diesem Ich zurück. Und habe dann eben auch einen Neuanfang in einer neuen Stadt gewagt.  

Klammerauf: Vielen Dank euch Beiden! 

Pasta-Fan aus Braunschweig, kann Servus nicht aussprechen. Hat ihre Karriere als Schlagzeugerin an den Nagel gehängt, um als Au Pair in New York zu arbeiten. Wenn sie nicht zuhause mit einer Kanne Kaffee liest oder New Girl binge watched, arbeitet sie als Kellnerin. Ihre zukünftige Bulldogge wird Schmidt heißen.

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