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Alleinerziehend: Job, Kinder, Haushalt und das eigene Leben

Aktuell leben über 167.000 alleinerziehende Familien (Stand 2019) in Österreich. 91 Prozent der Alleinerzieher*innen sind Frauen und beinahe jede zweite von ihnen ist an der Grenze zur Armutsgefährdung. Barbara ist diplomierte Krankenpflegerin und alleinerziehend. Im Gespräch mit Klammerauf berichtet sie, welche Herausforderungen ihre Situation mit sich bringt.

Täglich müssen Meisterleistungen wie Arbeit, Haushalt, Familie, Finanzen und Kinderbetreuung absolviert werden. Doch was ist, wenn sich der Beruf mit dem vom Staat zur Verfügung gestelltem Kinderbetreuungsangebot, nicht vereinbaren lässt? In einigen Berufen bieten die Arbeitszeiten für viele Alleinerzieher*innen in Österreich kaum die Möglichkeit, die Kinder während der Dienstzeit betreuen zu können. Auch Barbara (Name von der Redaktion geändert) gehörte zu den Betroffenen.

Als diplomierte Kinderkrankenpflegeperson arbeitete sie mehrere Jahre in verschiedenen Spitälern Wiens. Nach der Geburt ihres zweiten Kindes wechselte sie zur mobilen Kinderkrankenpflege. Dort übernimmt sie nun seit einiger Zeit einen Leitungsposten. Mit 27 Jahren ist Barbara erstmals Mutter geworden.

Kinderbetreuung vs. Beruf

Mit 12,5 Stunden-Schichten (Tag und Nacht) managte Barbara Muttersein, Arbeit und Haushalt. Nach der Geburt ihres zweiten Kindes, beschloss sie schließlich das Spital endgültig zu verlassen, um in der mobilen Hauskrankenpflege zu arbeiten. Der Grund: Die Arbeitszeiten im Spital wären nicht mit dem  Betreuungsangebot für ihre Kinder kompatibel gewesen.

„Die Betriebskindergärten sind oftmals nur zwischen 6:00 und 19:30 Uhr geöffnet, nicht in der Nacht oder auch nicht am Wochenende.“

„Was außerhalb dieser Zeiten liegt, muss selbst organisiert werden.“, berichtet Barbara. Die Kinderbetreuung in Österreich ist auf viele Berufe, wie zum Beispiel den Einzelhandel, oder die Pflege nicht zugeschnitten. Die  Kindergärten und Tagesstätten bieten in Österreich keine 24 Stundenbetreuung an. Dadurch werden viele Alleinerzieher*innen gezwungen Stunden zu reduzieren, um ihre Kinder und den Haushalt betreuen zu können. „Alleinerziehende Mütter werden von diesen gesellschaftlichen Strukturen in die Armutsgrenze getrieben“, so Barbara.

Soziales Netzwerk aufbauen

Barbara blieb von diesem Unglück verschont, fordert aber vom Staat mehr Transparenz und bessere Betreuungsmethoden: „Die Kinderbetreuung ist einfach auf viele Berufe, jene die sich nicht an den Bürozeiten orientieren, nicht zugeschnitten.“, berichtet die Alleinerzieherin. Barbaras Ex-Mann lebt im Ausland und kam nur selten zu Besuch. Sie war für ihre Kinder 365 Tage und 24 Stunden am Tag allein verantwortlich, ohne geteiltem Sorgerecht. Einmal besuchte sie die Abteilung MA11 zur Beratung, bekam dort jedoch nicht ausreichend Auskunft für Möglichkeiten zur Förderung und Unterstützung. Die Aufklärungswilligkeit ist damals nicht besonders groß gewesen, erzählt Barbara. „Wichtig ist als Alleinerziehende*r, dass man sich selbst ein soziales Netzwerk aufbaut.“ Nur so gelange man an die  wichtigsten Infos. „Eine gute Familieneinbettung ist hierbei das A und O“, berichtet Barbara.

„Die Familie bietet den Kindern nicht nur Stabilität und Sicherheit, sondern gibt einem auch den wichtigsten Rückhalt.“

Oftmals verspüren Alleinerzieher*innen das Bedürfnis den fehlenden Elternteil ausgleichen zu müssen. Dies traf auch auf Barbara zu: „Besonders im Hinblick auf die Arbeit und das Finanzielle, musste ich alles alleine stemmen.“ Barbara bekam weder Alimente noch finanzielle Unterstützung vom Staat, weil ihr Gehalt – trotz der Stundenreduzierung – knapp über die Mindestgrenze kam. Barbara ist damit aber nur eine von vielen, die somit aus dem Netz für Zuschüsse fallen: Sie erhielt keine finanzielle Unterstützung vom Staat, da sie um 13 Euro zu „viel“ für die Zuschüsse verdiente.

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© Michèle Andunda

Abschied von Perfektion

Für Alleinerziehende ist es oftmals eine Mehrfachbelastung: „Man arbeitet für zwei, kommt am Abend nachhause und muss noch Kinder und Haushalt managen.“ Sie schwört auf eine gute Alltagsorganisation und Tagesplanung. Man bekomme dadurch schon Managementqualitäten, berichtet Barbara. „Wichtig ist dabei, dass man vom Thema Perfektion Abstand nehmen muss.“ Sei es in der Arbeit oder in der Kindererziehung. Auch in Rollen lässt Barbara sich nicht drängen:  Eine große Karriere wollte sie nie anpeilen, sondern einfach ihre Arbeit gut und gerne machen. „Karriere war nie das Ziel, man kommt nachhause und legt den Mantel ab und ist Familienmensch, genauso habe ich es immer gehalten.“ Barbara widmete ihr Privatleben ihren beiden Kindern und konnte dadurch ihr Erziehungskonzept allein umsetzen.

„Ich glaube jede*r muss den eigenen Weg gehen bei der Erziehung, man darf sich nicht mit anderen Familien vergleichen, denn jede*r hat sein*ihr eignes Umfeld.“

Barbara rät Alleinerziehenden, die Ansprüche an sich selbst zu reduzieren. Sie erzählt, dass es als Alleinerzieher*in trotzdem wichtig sei, Freiräume für sich selbst zu schaffen und die eigenen Interessen nicht ganz zu vernachlässigen. Denn je entspannter man selbst ist, desto mehr können auch die Kinder davon profitieren.

Barbaras Kinder sind nun beide volljährig. Ihr jüngster Sohn besucht die HTL im letzten Schuljahr. Ihre älteste Tochter studiert Musikwissenschaft sowie Publizistik- und Kommunikationswissenschaft im Bachelor.

Singt gerne unter der Dusche. Liebt Weihnachten so sehr, dass sie sich bereits im Sommer darauf freut. Harry Potter - Liebhaberin, die wünschte Magie wäre wahr. Hasst wenn man ihren Namen falsch schreibt, lebt vegetarisch und möchte später gerne beim Radio arbeiten.

Comments
  • Avatar
    Chris

    Guter Beitrag!
    Dieses Thema sollte öfters angesprochen werden.

    8. März 2021
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