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Als schwarzes Mädchen in einem weißen Land

Rassismus. Ein Thema von welchem viele von uns das ganze Leben lang nie betroffen sein werden – andere jedoch erleben ihn täglich. Klara (19) und Emily (20) teilen mit uns ihre Erfahrungen, wie es ist als schwarze Mädchen in einem weißen Land aufzuwachsen.

Ich war das einzige schwarze Mädchen in meinem Dorf

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Hey, ich bin Emily © Waldner Daniela

In welchem Alter die Mädchen das erste Mal Rassismus erlebten? Im Grundschulalter. Da waren sich beide einig. Beim Wechsel vom Kindergarten zur Grundschule hat sich so einiges verändert. Die anderen Kinder haben nun viel schneller erkannt, dass sie nicht weiß waren, im Kindergarten meinte Klara, war es den Kindern noch egal wie man aussieht. Von nun an, wurden sie aber anders wahrgenommen. Anders behandelt. Sprüche wie „Du wäschst dich nicht!“, „Du bist arm!“ bis hin zu beleidigenden Aussagen gegenüber ihrem schwarzen Vater, der aus Kamerun stammt, gehörten zu Klaras Schulalltag. Emily teilt ähnliche Erfahrungen, sie wurde von ihren Mitschüler*innen immer wieder danach gefragt, ob sie heute nach der Schule ihr Vater abholen würde, denn sie würden „Angst vom schwarzen Mann“ haben und sich dann verstecken wollen.

Auch erinnert sich Emily daran, dass Mitschüler*innen ihr immer wieder Stifte ins Haar steckten, wenn sie es offen trug. Sie fanden es lustig, dass die Stifte im Haar steckenblieben und am besten fanden sie es, wenn Emily nichts davon bemerkte und den ganzen Tag damit rumlief. Auch konnten die Mitschüler:innen es nicht lassen, Emily das Kopftuch vom Kopf zu reißen und sich dann darüber lustig zu machen, wie die Haare in der vorherigen Form blieben und sich aufgrund der Haarstruktur nicht veränderten. Bei diversen Spielen durfte sie  aufgrund ihrer Hautfarbe nicht mitspielen. Hände zeigen und den jeweiligen Namen einer Hand erraten war eines davon, „Du kannst nicht mitspielen, bei dir sieht man direkt, dass es deine Hände sind!“, wurde ihr zugerufen. Es sind die vielen Kleinigkeiten, die immer und immer wieder passieren.

 

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Hi, ich bin Klara © Waldner Daniela

Zu jeder Zeit, an jedem Ort

Dann kam der Wechsel in die Oberstufe. Was sich veränderte? Nichts. Es kamen zwar keine bösen Kommentare zur Hautfarbe mehr, jedoch begann nun die Zeit, in der jede:r meinte, er könnte das N-Wort um sich schreien und sie mit dem Schimpfwort benennen „Und wie cool sich die Jungs dabei auch noch fühlten“, meint Klara.

Emily weist darauf hin, dass rassistische Bemerkungen in der Schule häufig unbewusst und die meiste Zeit wahrscheinlich auch ungewollt von den Mitschüler:innen geäußert wurden. Im Gegensatz zu Bemerkungen auf der Straße oder im Alltag. Falls dort welche vorkamen, dann waren sie nicht versteckt. „Guck mal, das ist ein Flüchtling“ erinnert sich Emily, wie eine Mutter zu ihrem kleinen Sohn sprach und mit dem bloßen Finger auf sie zeigte, als sie im Supermarkt aufeinandertrafen. Allgemein werden beide des Öfteren auf Straßen oder in Läden auf Englisch angesprochen, weil die Leute automatisch davon ausgehen, dass die jungen Frauen sie nicht verstehen.

„Den Kindern von früher kann man nicht nachtragend sein, es waren Kinder und jeder einzelne von uns wurde einmal geärgert. Schlimm ist es nur, wenn man als erwachsene Person heute immer noch genauso ist.“

– Klara

Glattes Haar statt lockigem Afro

Mit dem lockigen Afro war nicht immer leicht. Trugen die beiden jungen Frauen jedoch Braids, dann wurden ihnen Namen wie „Medusa“ oder „Davy Jones“ nachgerufen. „Egal wie man sich die Haare machte, man konnte es den Leuten nie recht machen“, erzählt Klara.

Sie wollten nicht mehr auffallen. Sie wollten einfach nur so sein, wie alle anderen Mädchen an der Schule auch. Von nun an, durften es nur mehr glatte Haare sein!  Glätteisen hier, chemische Dauerglättung dort. Die Haare waren bereits kaputt-geglättet, doch das hinderte Klara und Emily nicht daran, sie immer und immer wieder zu glätten. Hauptsache die Haare sind glatt!

„Jetzt siehst du ja ganz normal aus, wie ein ganz normales Mädchen.“ ­

– Mitschülerin von Klara

Und was das Schlimmste daran war? Dass die Leute ihnen dann auch noch komplimentiert haben, wenn sie sich die Haare tot-geglättet hatten. „Oh du siehst ja mit glatten Haaren viel hübscher aus!“, „Das sieht so schön aus, warum machst du das nicht immer so?“, „Jetzt siehst du ja ganz normal aus, wie ein ganz normales Mädchen“, hieß es von allen Seiten.

„Ich kann nix für meine Haare, ich bin so auf die Welt gekommen und wenn mir andere Leute immer wieder sagen, dass ich, wenn ich es anders mache besser aussehe, fühlt man sich irgendwann, als die Person wie man geboren wurde, einfach nur noch hässlich!“

– Klara

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Emily und Klara beim „Black Lives Matter“-Protest in Köln © Waldner Daniela

 

Für eine Schwarze bist du echt hübsch

„Ich steh nicht auf Schwarze, aber du bist hübsch!“, „Du bist nett, aber ich würde niemals etwas mit dir anfangen, denn ich steh nicht auf Schwarze!“ Auch Klara kennt es, und erinnert sich an einen ganz extremen Vorfall. „Könntest du dir vorstellen eine Schwarze zu ficken?“, hörte sie aus dem Klassenzimmer. Für Klara geht mit dieser Aussage einher, dass Schwarze Personen nicht als Menschen angesehen werden.

235 Make-up Töne, doch keiner passt zu mir

In die Drogerie laufen, die gewünschte Make-up Marke auswählen, den passenden Hautton finden und kaufen ­– so einfach ist das leider nicht für jede Frau. Die verschiedenen Marken nehmen zwar zunehmend dunklere Töne in ihr Sortiment mit auf, jedoch werden diese in Ländern, in denen vorwiegend weiße Personen leben, im Laden nicht ausgestellt. Falls doch etwas angeboten wird, dann gibt es eine Variante für den dunklen, eine für den mittleren und eine für den helleren Hauttypen. Untertöne? Fehlanzeige! Für weiße Menschen gibt es jedoch eine Vielzahl an verschiedenen Untertönen.

Klara und Emily kennen das Problem zu gut. Ihr Make-up mixen sie seit Jahren aus drei verschiedenen Tönen, um den richtigen Farbton hinzubekommen. Auch beim Bronzer ist es nicht anders, da er in Drogerien kaum zu finden ist, verwenden sie dafür einen dunkelbraunen Lidschatten. In Läden mit teuren Produkten würde man fündig werden, meinten sie.

Fehlende Make-up Töne sind nur ein kleiner Teil eines viel größeren strukturellen Problems. Für Emily und Klara ist klar, dass Rassismus existiert und sie wollen ihn nicht mehr akzeptieren. Genauso wenig sollten wir das tun!

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„Black Lives Matter“-Protest in Köln © Waldner Daniela

Weitere Informationen und Anlaufstellen

ZARA Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit

Hotline gegen Diskriminierung und Intoleranz 

Weltenbummlerin, ursprünglich aus Südtirol, zwischenzeitlich auch in San Francisco und Boston beheimatet. Schlägt jetzt in Wien ihre Zelte auf (zeltete aber auch schon auf dem Vesuv). Brachte aus den USA ihre Liebe für Bagels mit. Freiheitsliebend und unternehmungslustig, findet das große Glück in den kleinen Dingen. Hört alles was das Radio so spielt, idealerweise im Auto beim nächsten Roadtrip, idealerweise bei voller Fahrt, aus dem Dachfenster mitsingend, dann aber bitte nur bei ihrem Lieblingswetter: strahlendem Sonnenschein.

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