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ASS – trotz Störung nicht gestört

Dieses Interview dreht sich um einen 13-jährigen Jungen mit einer Autismus-Spektrum-Störung (ASS). ASS ist eine spezielle Form des Autismus, bei der Betroffene Schwierigkeiten haben normale soziale Kontakte aufzubauen, Sprache nicht normal oder gar nicht benutzen können und ein zwanghaftes und geregeltes Verhalten an den Tag legen. Im Gespräch mit Klammerauf erzählt er von seinem WG-Leben, seinen Herausforderungen und seinen Träumen.

Klammerauf: Wie schaut ein normaler Tag von dir aus?

Meeseeks (Anm.: Name wurde von der Redaktion geändert, da der 13-Jährige sich wünschte, dass sein Interview unter diesem Namen erscheint): Jeder Tag ist schon verschieden, aber meistens stehe ich um halb sieben auf – Wecker klingelt um Viertel vor sechs. Dann gehe ich frühstücken, hole meine Tabletten, gehe um 6:57 Uhr runter, warte 20 bis 25 Minuten auf den Bus und fahre 20 Minuten lang zur Schule. Dort warte ich 10 bis 15 Minuten bis ich in die Schule reindarf und meistens treffe ich schon meinen Freund davor und wir reden über Videospiele, Serien und sonst etwas. Dann gehe ich in die Klasse rein, sage den Lehrern „Guten Morgen“, gebe meiner Lehrerin die Hand, gebe ihr mein Handy und setze mich an meinen Platz. Wenn alle da sind, gehen wir mit unserer Partnerklasse gemeinsam frühstücken. Nach der Schule warte ich wieder 20 Minuten auf den Bus, dann fahre ich in die WG, höre währenddessen Musik und hole mir meine Tablette. Dann gehe ich Essen, gehe wieder hoch in mein Zimmer, mache eine halbe Stunde oder Stunde Pause mit meinem Handy und mache dann meine Hausübung. Oft schaue ich mir etwas auf dem Handy oder eine Serie an und baue meistens, neben sehr langen Videos, mit Lego.

 

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Ich habe Meeseeks dieses Marvel Foto gezeigt und ihm anschließend zwei Fragen dazu gestellt. © Disney, afp

Klammerauf: Welcher ist dein Lieblingscharakter und warum? Was macht ihn so besonders?

Meeseeks: Doctor Strange, weil er einfach cool ist. Er kann zaubern und das macht ihn sehr anders als die anderen Figuren. Den Film fand ich einfach extrem cool und ich freue mich schon auf den zweiten. Und ich finde seinen Umhang sehr lustig, weil er ein Eigenleben hat.

Klammerauf: Wie gefällt es dir in einer familienzentrierten WG mit durchgängiger Betreuung zu leben?

Meeseeks: Es gefällt mir schon gut. Manchmal ist es auch sehr anstrengend, wegen den eher kleineren Kindern, die jetzt da sind. Aber das stört mich nicht so. Meistens bin ich eh nur im Zimmer, mache mir manchmal auch die Türe zu. Das Abendessen verläuft auch eigentlich ganz normal. Aber meistens sitze ich dann im Zimmer, wenn die anderen Abendessen. Ich gehe weg mit dem Essen, weil ich Zeit für mich selbst brauche, schaue mir währenddessen ein Video an und komme dann wieder vor zum Abendessen. Stelle meinen Teller in die Küche und sage, dass ich wieder am Zimmer bin. Meistens schaue ich dann noch etwas im Fernsehen an.

Klammerauf: Wann hat deine Mama das erste Mal von deiner Autismus-Spektrum-Störung erfahren?

Meeseeks: Genaue Jahresangabe kann ich dir gerade nicht geben, weil ich es wirklich nicht weiß. Aber es war wie ich noch in Vorarlberg gelebt habe, in auch so etwas wie einer WG, die Carina geheißen hat (zeitlich etwa 2015). Gibt es jetzt nicht mehr, wurde durch einen Betonklotz ersetzt. Es war voll schön dort und dort haben wir dann erfahren, dass ich so etwas habe. Dort habe ich auch Tabletten verschrieben bekommen, aber irgendwann hat mein Papa nein dazu gesagt. Er will nicht, dass ich so etwas nehme und dann habe ich es nicht mehr genommen.

Klammerauf: Geht es dir mittlerweile gut?

Meeseeks: Jetzt geht es mir eigentlich schon gut. Mir geht’s wirklich sehr gut, weil ich nicht wirklich Probleme mehr damit habe. Ich habe mich seitdem wirklich sehr verändert. Ich bin viel ruhiger, ich springe nicht wegen jeder Kleinigkeit auf und schmeiße Tische um oder so. Jetzt gehe ich einfach vorbei und denke mir es ist okay, dann beleidigen sie mich halt.

Klammerauf: Welche Schwierigkeiten hast du deshalb manchmal?

Meeseeks:  Ich habe nicht wirklich Schwierigkeiten, also eigentlich gar nicht. 

Klammerauf: Wirst du manchmal von anderen irgendwie komisch angeschaut oder anders behandelt?

Meeseeks: Nein, nicht wirklich. Es geht jeder ganz normal mit mir um.

Klammerauf: Was macht dich so einzigartig?

Meeseeks: Jeder Mensch ist irgendwie auf seine eigene Art sehr einzigartig. Ich bin genauso wie ich bin einzigartig, so wie jeder andere.

Klammerauf: Welche Träume hast du?

Meeseeks: Einen Traum, den ich mir mal in den Kopf gesetzt habe, müsste vor ein paar Monaten gewesen sein, dass ich auf einen bestimmen Geldbetrag spare – nämlich 700 Euro. Klingt sehr verrückt, aber ich kaufe mir ein sehr bestimmtes Lego Set, das so teuer ist. Den Lego Sternzerstörer, der ein Meter und 10 Zentimeter lang ist, 60 Zentimeter breit und 30 Zentimeter hoch.

Klammerauf: Was möchtest du den Klammerauf Leser*innen mit auf den Weg geben?

Meeseeks: Ich habe nicht wirklich was zu sagen, aber man sollte einfach einzigartig bleiben und sich nicht bei jedem Ding, bei dem man denkt, man ist cool, mitreißen lassen. Man sollte nicht wirklich mitmachen, halt bei wichtigen Dingen schon, aber bei zum Beispiel Mobbing oder verbotenen Dingen, sollte man einfach die Finger davonlassen. Einfach den eigenen Weg gehen.

Klammerauf: Super, danke für das Interview Meeseeks. War sehr spannend und aufschlussreich.

 

Künstlerische Darstellung von einem Jungen mit ASS

Zeichnung von Meeseeks, von einem Five Nights at Freddy’s Charakter. © Meeseeks

 

Weitere Informationen und Ansprechstellen

Selbsthilfegruppe für Eltern von Kindern mit ASS 

Rainman’s Home – Tagesstruktur für Menschen mit Autismus

Daheim in Linz, erfüllt sich seinen Traum als Journalist aber in Wien. Liebt Breaking Bad, schaut er aktuell zum zweiten Mal. Dazu gibt es des Öfteren Spaghetti Bolognese, isst er auch am liebsten. Jesus Lover – besucht gerne den Gottesdienst. Seine Raubkatze Kimba hasst Streicheln, genauso wie er Äpfel und Anis. Von seiner Freundin lernt er Russisch und er schreibt ihr Gedichte.

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