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Darf ich das anziehen?

Viele junge Frauen sind jedes Wochenende davon betroffen – sexuelle Belästigung beim Feiern. Und jedes Wochenende wird es aufs Neue verschwiegen, einfach so hingenommen und als „normal“ angesehen. Mut ist gefragt – um dieses Thema anzusprechen, denn es ist mehr als ok, einfach NEIN zu sagen.

(Disclaimer: dieser Text erzählt von Situationen, die besonders vor der Covid19-Pandemie ein großes Thema waren und momentan in dieser Form keine allzu große Rolle spielen. Das macht dieses Thema aber nicht weniger wichtig, da es auf ein allgemeines, strukturelles Problem aufmerksam macht.)

Einer Frau gehen vor einer bevorstehenden Partynacht viele Gedanken durch den Kopf… Nein, nicht nur positive, sondern auch oft verängstigte und besorgniserregende. „Darf ich das anziehen? Ist der Ausschnitt zu tief oder zu hoch? Bin ich zu stark geschminkt? Was werden die anderen sagen? Wie komme ich sicher nach Hause?“ Die Beantwortung dieser Fragen ist ein gewöhnliches Gespräch zwischen Freundinnen vor dem Ausgehen.

Wenn ein Mann einer meiner Freundinnen auf die Nerven ging und immer weiter geflirtet hat, bin ich dazwischen gegangen, wer weiß was sonst noch passiert wäre, mit paar grausigen Typen, die da draußen rumlaufen. – Valentina

Der Ausschnitt als Freifahrtschein

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© Rosa Greuter

Da hat man sich ein schönes, neues Oberteil gekauft, hat eine große Freude damit und möchte es gleich beim nächsten Clubabend anziehen. Das Top macht ein schönes Dekolleté, gerade recht. Es ist das Jahr 2021, man darf ja schließlich zeigen was man hat, und wenn man sich darin wohlfühlt, wo liegt das Problem? Ja, da gibt es so einige Probleme. Die gaffenden Blicke der Männer von oben nach unten, blöde Sprüche, in denen man sofort als „Schlampe“ bezeichnet wird, eine Anmache hier und ein Pograbscher da. Manche glauben tatsächlich, dass ein eher ausgeschnittenes Oberteil, ein Rock oder etwas leicht Transparentes ein Signal der Frauen ist, dass man Lust auf mehr hat. Dann wird einem ein Getränk gezahlt – alles schön und gut – doch manche Männer nehmen dann ganz selbstverständlich an, dass das ein automatischer Freifahrtschein ist und die Folge sind dann oft Berührungen, die man so eigentlich gar nicht möchte. So meint zum Beispiel Lisa: „Vielen Frauen, wie auch mir, wird von den Männern auf den Arsch gegriffen oder sie versuchen die Frauen zu küssen und festzuhalten, was von dem männlichen Geschlecht als selbstverständlich angesehen wird, wenn sie dir ein Getränk bezahlen.“

Klingt zu übertrieben? Nein, das passiert so ziemlich jedes Wochenende, in jedem Club, auf jedem Dorffest. Auch eine Statistik beweist die Häufigkeit solcher sexuellen Belästigungen, denn bereits jede dritte Frau in Österreich, das sind ca. 75%, war zumindest einmal in ihrem Leben mit sexueller Belästigung konfrontiert.

Ich hatte einmal im Leben einen Rock beim Ausgehen an, und da ist mir aufgefallen, dass ich an diesem Abend von vielen Männern angesprochen wurde und dass ich die ein oder andere Hand auf meinem Po gespürt habe. – Laura

Das Objekt der Begierde

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© Rosa Greuter

Nun, sehen die Männer die Frauen wirklich nur als Objekt der Begierde? Manchmal bekommt man dieses Gefühl schnell, denn das Motto vieler ist „heute reiß ich mir eine auf“ – aber nur für den Abend, versteht sich von selbst. Als Mann, natürlich kein Problem, dann hat man halt mal innerhalb kürzerer Zeit mit mehreren Frauen was am Laufen. Da wird er dann von seinen Kumpels als Player gefeiert, ein Frauenheld. Doch umgekehrt? Darf sich eine Frau auch mal ausleben? Nein, da muss man schon wieder aufpassen, sonst wird man wieder als Schlampe, „einfach zu haben“ oder billig bezeichnet. Warum das so ist? Dieses Denken ist in der Gesellschaft so tief verankert, dass es schwer ist, dieses zu ändern. Eine Frau muss sich schließlich anständig und brav verhalten – Wo sind wir? Im Mittelalter? Durch Musik versuchen manche Künstlerinnen auf dieses Thema aufmerksam zu machen, so auch die deutsche Rapperin Shirin David, die mit ihren feministischen Songtexten und freizügigen Outfits in ihren Musikvideos die Aufmerksamkeit im Netz auf sich zieht. So singt sie in ihrem neusten Song Von „Bei Gott ist sie sexy“ hin zu „Vallah, sie’s ’ne Schlampe!“ Die deklarier’n ein’n Minirock zu maximaler Schande Doch ’ne Frau mit Grips im Kopf wird abgetan zu ’ner Emanze und setzt so erneut ein Statement zu Feminismus und öffnet einigen die Augen. Ihre Fans feiern sie dafür und belohnen die Künstlerin mit Millionen von Klicks.

 

Die Angst vor dem Dunkeln

Nachdem man mit seinen Freundinnen gefeiert, getrunken und getanzt hat, nimmt jeder Abend mal ein Ende. Doch immer ein Gutes? Der Nachhauseweg ist nämlich meist kein so angenehmer. Man schaut sich ständig um, der Puls steigt automatisch an und das Handy ist griffbereit.

Ich versuche meistens, wenn ich beim Nachhause gehen im Dunkeln hinter einer Frau in die gleiche Richtung gehe und das Gefühl habe, dass sie eventuell Angst haben könnte, extra viel Abstand zu halten oder die Straßenseite zu wechseln. – Stefan

Wenn man bei einer Gruppe Männer vorbei gehen muss, tut man so als ob man telefonieren würde, dass sie einen ja nicht ansprechen oder blöd anreden. Hat man die Situation geschafft, dreht man sich dauernd um, um zu sehen, ob man nicht doch verfolgt wird. Weiters wird das Schritttempo automatisch nochmals erhöht. Ist man dann zu Hause angekommen und die Haustür hinter sich geschlossen hat, atmet man erstmals tief durch und schreibt seinen Mädels, dass man sicher zu Hause angekommen ist. Jedes Wochenende dasselbe Spiel…

 

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© Rosa Greuter

Für Hilfe und Unterstützung

Frauenhelpline gegen Gewalt (0800 222 555)

Frauenberatungsstellen bei sexueller Gewalt gegen Frauen und Mädchen

24-Stunden Frauennotruf der Stadt Wien (0043 171 719)

Gewaltschutzzentren/ Interventionsstelle Wien 

Gebürtige Tirolerin, fühlt sich aber schon seit ihrer Kindheit sehr wohl in Wien. Weiß gutes Essen zu schätzen, besitzt Nagellack passend zu jeder Lebenssituation und ist stolze Besitzerin einiger Fische. Außerdem hat sie ziemlichen Respekt vor Kühen, die ihr in Wien aber zum Glück weniger begegnen als in Tirol.

Comments
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    J.T.

    Richtig gute Arbeit!

    24. März 2021
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