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Das Busenproblem? Die Sexualisierung und Objektifizierung der weiblichen Brust

„Man sieht die Nippel!“ Oh Gott. Was tun? Am besten die Diskriminierung anstelle der Brüste einpacken! Dem stimmen auch zwei reflektierte Busenträgerinnen zu, mit denen Klammerauf über die Sexualisierung/Objektifizierung der weiblichen Brust gesprochen hat.

Frauenbrüste. Treuer und unzensierter Bestandteil der Werbe- und Pornobranche, dafür umso verhüllter im täglichen Leben der modernen Durchschnittsfrau. Der BH als Schutz vor Blicken und Verurteilungen und damit der weibliche Körper als Sexualobjekt. Ist ja kein Problem! Zieh doch einfach keinen BH an! Es verurteilt dich niemand! Aber wehe, man sieht wirklich mal die Nippel durchs Shirt oder erkennt die Form der Brust. Ich bin in einer hypersexualisierten Gesellschaft aufgewachsen und fühle mich unwohl dabei, ohne Büstenhalter den Tag zu bewältigen. Ob man sich nun gesellschaftskonform obenrum bedecken sollte oder nicht, ist nun mal geschlechterabhängig.

Dabei war das nicht immer so. Zum Beispiel trugen europäische Hofdamen bis ins 18. Jahrhundert ohne Probleme Kleider, die den Busen nicht verdeckten. Bei der französischen Revolution 1789 galt die nackte Frauenbrust sogar als Symbol der Freiheit. Und in den 1980er Jahren war das Oben-ohne Baden bei Frauen in weiten Teilen Europas fast schon trendy. Man muss auch nicht unbedingt Beispiele aus der Vergangenheit heranziehen. Bei indigenen Völkern ist es auch heute noch nichts besonderes, wenn eine Frau oben blank macht. In unserer Gesellschaft aber scheinen viele mit dem Verzicht auf den Büstenhalter ein Problem zu haben.

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© Verena Fink

Motzende Möpse.

Meta ist 20 Jahre alt, in Österreich aufgewachsen und trägt praktisch seit ihrem 15. Lebensjahr keinen BH mehr. „Warum sollte ich mich da reinzwängen? Nur damit sie schön rund aussehen?“ Ihr Ex-Freund gab ihr damals den Denkanstoß dazu, sich um die von ihr bis dahin unhinterfragte gesellschaftliche Norm Gedanken zu machen. Meta erwähnt die fragwürdigen Richtlinien für die Abbildung der weiblichen Brustwarze auf Instagram. Blank ziehen ist auf der Social Media Plattform nicht erlaubt, außer es handelt sich beim Abbild um eine Protestaktion, den Stillvorgang oder Brustnarben bzw. -Amputationen. Upgeloadet werden dürfen Busen auch auf Bildern von „Gemälden und Skulpturen“. Der weibliche Nippel muss demnach Inhalt und Story bieten können, um nicht von der Plattform entfernt zu werden. Es ist übrigens erlaubt, Männernippel über Frauennippel zu photoshoppen und das Ganze dann hochzuladen. „Das ergibt ja alles gar keinen Sinn.“ meint Meta dazu. Der männliche Nippel genießt unzensierte Freiheiten, auch wenn die Brust eines übergewichtigen Mannes der einer Frau zum Täuschen ähnlich sehen kann. Ohne sich großartig in Szene zu setzen, glänzt die Männerbrust in unaufwendigen Schnappschüssen zahlreich und unverhüllt auf Instagram. Mit diesen Richtlinien wird erfolgreich der Sexualisierung des Frauennippels und damit der Diskriminierung der Frau in die Hände gespielt.

Lass es raus!

Irina würde auch gerne öfter auf einen BH verzichten. Die 27-Jährige kommt aus Rumänien und findet, dass Frauenbrüste übersexualisiert werden. „Breasts are seen as sexual objects almost on the same level as the womens reproductive system. Breasts aren’t sexual organs but are treated like that.“ Weibliche Brüste sind tatsächlich „nur“ ein sekundäres Geschlechtsmerkmal. Ebenso zählt der Bartwuchs oder der verstärkte Muskulaturaufbau beim Mann in der Biologie auch zu den sekundären Geschlechtsmerkmalen. Think about that.

Irina trägt fast immer einen BH. Begonnen hat sie damit im Alter von 12 Jahren, die Objektifizierung ihres Körpers fiel ihr damals immer mehr auf und war ihr unangenehm. „In Romania it takes a lot of courage getting used to the constant sexual harassment on the street and being constantly catcalled. At one point you just can’t take it anymore, you’re just afraid.“ Sie erzählt davon, wie sie im Sommer beim Tragen eines tief ausgeschnittenen Kleides auf Busenstütze verzichtet hatte. Die Folge war ein Brustgrapscher auf der Straße. „Maybe in Germany I would have had more courage to walk around not having a bra on.“

Leider siehts in Deutschland sowie Österreich auch nicht ganz so rosig aus. Meta: „Wenn man durch ein transparentes Shirt meine Brüste sieht, fühle ich mich schon unwohl“. Die junge Österreicherin stört es, dass sie sich in dieser Situation so fühlen muss. Und dies „nur weil wir so aussehen wie wir aussehen und weil wir Brüste haben. Das ist ja dann wieder eine Freiheit, die uns genommen wird.“ Meta hat sich inzwischen an Blicke gewöhnt und blendet unangebrachte Reaktionen aus. Sie konzentriert sich auf positive Erfahrungen. Wie zum Beispiel Freundinnen, die ihre Selbstsicherheit bewundern: „Voll cool, aber ich trau mich das nicht!“, heißt es dann.

„It should be normal to not want to wear a bra and walk down the street without getting any special attention.“

Lust auf Brust?

Sexualisierung und Objektifizierung beenden oder wenigstens minimieren, das wäre doch was. „I think we can only achieve that if we as women start fighting this constant sexual objectification of our bodies“ meint Irina. Allerdings findet sie auch, dass sich Frauen untereinander viel zu viel für persönliche Entscheidungen verurteilen. Man erntet ohne BH nicht nur von Männern komische Blicke. „It should be normal to not want to wear a bra and walk down the street without getting any special attention.“ Auch Meta will sich mit weißem Shirt und nichts drunter wohlfühlen können. „Die Personen, die sexualisieren haben das Problem und bei denen muss angesetzt werden und nicht bei mir, nicht ich sollte mir Gedanken darüber machen müssen.“ Die Sensibilisierung der Gesellschaft als Lösungsansatz.

Verena und ihre heißgeliebten „Dr Martens“ sind ein perfektes Duo – bei fast jeder Witterung. Ihren Fast-Fashion-Konsum versucht die Tirolerin in Wien so gut es geht zu unterdrücken – und probiert sich in Sachen Second Hand aus. Als ambitionierte HipHop Tänzerin hat sie viel drauf, doch ob sie sich jemals traut ihre Haare zu färben, bleibt so dahingestellt…

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