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DER KAUF DER PILLE DANACH – nicht so einfach wie gedacht

Viele Ärzt*innen sehen die Pille Danach als eine Art Abtreibung und verurteilen jene Patientinnen, die sie einnehmen wollen. Dies führt dazu, dass viele Mädchen und Frauen den Kauf der Pille Danach als sehr unangenehm empfinden. Klammerauf hat mit Anna über ihre Erfahrung mit dem Kauf der Pille Danach gesprochen.

Die Pille Danach ist eine Art der Notfallverhütung, die den Eisprung um einige Tage verschieben und somit eine Schwangerschaft verhindern kann. Sie sollte so schnell wie möglich nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr eingenommen werden, da sie nach 72 Stunden nicht mehr wirkt. Die Pille Danach ist nicht nur ein sehr stark dosiertes hormonelles Medikament, das einige spürbare Nebenwirkungen mit sich bringt. Der Kauf dieses Medikaments trägt auch viele Vorurteile und schiefe Blicke mit sich. Genau diesen Vorurteilen war Anna ausgesetzt. Deswegen teilt sie mit Klammerauf ihre Geschichte.

 

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© Melissa Tscharnuter

Klammerauf: Wie kam es dazu, dass du dir die Pille Danach besorgen musstest?

Anna: Ich war 16. Ich kannte ihn nicht so gut und es war mein erstes Mal. Jeder von meinen Freund*innen hatte damals schon Sex und ich wollte es nun endlich auch erleben. Ich dachte mir damals: Ich bin jetzt 16 und kann endlich das erleben was alle anderen schon erlebt haben, sodass es mir total egal war, dass wir beide kein Kondom hatten. Ich wollte diese Chance nicht vertun. Es war so ein arger Gruppenzwang, der mich zu so einer Dummheit verleitet hat.

Klammerauf: Wie war das Besorgen der Pille Danach?

Anna: Es war grauenhaft sie zu kaufen. Es war eine große Reise durch Arztpraxen. Das Ganze geschah als man noch ein Rezept für die Pille Danach brauchte. Da es am Wochenende und in der Nacht passierte, habe ich in der Notpraxis angerufen, doch sie sagten, dass das Krankenhaus dafür zuständig sei. Im Krankenhaus sagten sie mir, dass sie für sowas keine Ärzt*innen wecken würden und ich im Vorhinein wissen hätte sollen, dass man beim Sex verhütet. Sie sagten: „Da bist du selber schuld.“.

Mir war ja auch selber total bewusst wie dumm das war, aber die Art, mit der sie das gesagt haben, war sehr einschüchternd. Es war ja eh schon alles schlimm genug für mich. Danach habe ich bei mehreren Ärzt*innen angerufen, doch die meisten sagten, dass sie keine neuen Patientinnen aufnehmen würden.

Klammerauf: Und wie kamst du dann zu dem Rezept?

Anna: Einen Tag später hat mich endlich eine Ärztin aufgenommen. Wenn man nur 72 Stunden Zeit hat, diese Pille einzunehmen, dann rennt einem die Zeit davon. In diesen 72 Stunden, dachte ich mir: Ich bin doch erst 16! Was habe ich mir dabei gedacht? Ich habe gar keine Zeit für ein Kind!

Die ärztliche Visite war mir sehr unangenehm. Was ich vor allem sehr unangenehm fand, war, dass die Frauenärztin mir einfach, nachdem sie mir das Rezept für die Pille Danach gegeben hat, willkürlich ein Rezept für die normale Pille verschrieben hat. Als ich sagte, dass ich nicht weiß, ob ich die Pille nehmen möchte, schaute sie mich ernst an und sagte: „Na die werden Sie jetzt aber schon nehmen, weil ich möchte Sie wegen der Pille Danach eigentlich nicht mehr hier sitzen haben. Dass Sie die Pille brauchen, sehe ich schon.“ Das war für mich sehr übergriffig und fremdbestimmend. Nach langer Diskussion habe ich schlussendlich das Rezept angenommen. In der Apotheke konnte ich mir nun endlich meine Pille Danach holen.

Klammerauf: Wie hast du dich dabei gefühlt?

Anna: Ich kam mir die ganze Zeit vor, als hätte ich etwas beichten müssen. Ich musste mit jedem teilen, dass ich mein erstes Mal hatte. Ich musste es jedem offenbaren, den Ärzt*innen, meiner Mutter, den Apotheker*innen. Das war mir damals sehr unangenehm. Ich bin echt froh, dass man die Pille Danach nun rezeptfrei in der Apotheke bekommt. Es kostet zwar ein bisschen mehr, aber ich hätte tausendmal lieber mehr gezahlt und dafür auf diese Odyssee mit Ärzt*innen verzichten können.

Klammerauf: Vielen Dank für das Interview und deine Zeit!

 

Weitere Informationen zur Pille Danach: 

Österreichische Gesellschaft für Familienplanung

Institut für Frauen- und Männergesundheit

First Love

 

 

Sehr musikalisch und „ur obsessed“ mit ihrer Hündin Nala. Mag Tiere oft lieber als Menschen, für kreative und verrückte Projekte mit ihren Freunden ist sie aber jederzeit zu begeistern. Hat außerdem eine Schwäche für Schultertaschen aus den 90ern. Wurde unerwartet über Nacht zum zum TikTok Star, versucht ihren Erfolg jedoch eher zu verheimlichen. Brot und Wasser isst sie am liebsten, könnte also auch gut im Gefängnis überleben.

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