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FEUERWEHRFRAU UND KINDERGARTENONKEL

Dieser Artikel über Frau und Mann beschäftigt sich nicht mit den großen Fragen und den schwierigen Antworten wie dem „gender pay gap“ oder der „Väterkarenz“. Dieser Artikel beschäftigt sich mit Kleinigkeiten: den Feuerwehrfrauen und Kindergartenonkeln. Zur Hilfe habe ich mir die Kleinsten unter uns ausgesucht sie in ihrem Kindergarten besucht – da die es manchmal doch noch am besten wissen. 

Zwei kleine Mädchen im rosaroten Rüschchenkleid sitzen in der Puppenecke ihres Kindergartens mit jeweils einer Barbie am Schoß. Vor ihnen stehen zwei leere Miniaturtassen. Aus der anderen Ecke des Raums schallen brummende Motorengeräusche. Spielzeugautos fliegen durch die Luft, Holzbrücken stürzen ein. Es wird ein wenig gerangelt, geschubst und Bausteine fliegen durch die Luft. Die Jungs streiten sich darum, wer mit dem gelben Ferrari spielen darf. Klingt nach einem typischen Tag im Kindergarten – oder?

Alte Muster

Geschlechterzuschreibungen sind keine Erfindung des 21. Jahrhunderts. Bereits römischen Reich galten Männer als das Familienoberhaupt, denen alle Rechte über wichtige und finanzielle Entscheidungen zufielen. Frauen waren von ihren Männern abhängig und konnten kein eigenständig- und selbstbestimmtes Leben führen. Im Mittelalter war die Frau dafür zuständig, Kinder zu gebären und großzuziehen. Über fünfhundert Jahre ist das nun her. Und manchmal drängt sich die Frage auf – hat sich überhaupt etwas verändert?

Bei einem Besuch im Kindergarten wurden den Kindern Fragen gestellt, die sich kritisch mit der Thematik der Rollenzuschreibung beschäftigen. Es war spannend, interessant und manchmal auch zum Schmunzeln, die Antworten der Kinder zu hören.

Schon wieder diese Sache mit dem „gendern“….

Gendergerechte Sprache stößt in unserer Gesellschaft auf viel Widerstand. Es verursacht mehr Arbeit, die weibliche und männliche Form eines Begriffes zu verwenden und verändert den Lesefluss. Aber vor allem für Kinder wäre es wichtig, immer wieder die weibliche und männliche Form eines Begriffes zu hören, denn häufig wird unterschätzt, wie genau Kinder zuhören. Das zeigen auch die Videointerviews. Als die Kinder gefragt wurden, ob Mädchen auch „Feuerwehrmann“ werden können, war ihr Blick erstmal verwirrt und sie überlegten. Die folgende Frage lautete, wie die dann genannt werden, und niemand konnte eine Antwort darauf geben. Wie denn auch? Wenn alle um sie herum ständig vom „Feuerwehrmann“ sprechen. Als Gegenfrage wurden die Kinder gefragt, ob Buben auch im Kindergarten arbeiten können. Die Antwort darauf war ein mehrstimmiges „ja“. Doch auch dafür wusste kein Kind eine passende Bezeichnung. Kindergartentante ist im alltäglichen Sprachgebrauch völlig normal geworden, aber der „Kindergartenonkel“ klingt völlig frei erfunden. Ein eindeutiger Beweis dafür, dass es wichtig ist, im alltäglichen Sprachgebrauch allem eine männliche und weibliche Bezeichnung zu geben. Denn oftmals tut sich für ein Kind nicht einmal die Möglichkeit auf, etwas zu erlernen oder auszuprobieren, wenn das der Sprache nach nur für eines der Geschlechter bestimmt ist.

Viele Sprachwissenschaftler*innen und Wissenschaftler*innen haben sich inzwischen mit der Thematik und der Relevanz einer geschlechtergerechten Sprache befasst. Darunter auch Sprachwissenschaftler Henning Lobin, von der Universität Gießen sowie Damaris Nübling, Professorin für historische Sprachwissenschaft der Gutenberg- Universität Mainz. Gemeinsam haben sie einen Beitrag verfasst, der die Relevanz des Genderns hervorhebt. Betont wird, dass gesellschaftliche Weltwahrnehmung stark von Sprache gelenkt wird. Außerdem werden Forschungsergebnisse zitiert, die darauf hinweisen, dass Kinder einen Beruf eher als erreichbar einschätzen, wenn er in einer männlichen und weiblichen Form vorgestellt wird. Ähnliche Ergebnisse ergibt auch eine Studie  der freien Universität in Berlin.

Run like a…

Als die Kinder dazu aufgefordert wurden, wie ein Mädchen oder ein Junge zu laufen, waren die Ergebnisse eindeutig. Eindeutig anders, als Erwachsene es dargestellt hätten. Denn laut unserem gesellschaftlichen Bild, hat das männliche Geschlecht mehr Kraft und ist generell in vielen sportlichen Bereichen besser, als das weibliche Geschlecht. Beispiele für diesen verbreiteten Glauben sind immer wieder in verschiedenen Medien zu finden.

„Wenn Sie eine 60 Kilogramm schwere Frau neben einen 60 Kilogramm schweren Mann stellen – beide gleich gut trainiert –, ist der Mann im Vorzug“

Univ. Prof. Josef Niebauer, Vorstand des Universitätsinstituts für präventive und rehabilitative Sportmedizin

Den Jungs und Mädels im Kindergarten war das aber egal. Die Mädchen zeigten, dass sie mit viel Elan und Schwung laufen und die Jungs nur ganz langsam. Die Jungs liefen in der Rolle des Jungen und in der Rolle des Mädchens unverändert. Welche Schlüsse können daraus gezogen werden? Das Gefühl nicht so stark, sportlich, schlau oder feinfühlig zu sein, kommt meist erst in der Pubertät und wird häufig durch Sprache vermittelt. Phrasen wie „ein paar starke Buben zum Tragen“ oder „ein paar Mädchen die schön malen“ sollten so verändert werden, dass sich alle Kinder angesprochen fühlen können. Das zeigen auch in der „New York Times“ veröffentlichte  Studien.

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Bub und Mädchen im Schwimmbad (Künstler 3 Jahre jung) © Simone Gollmann

Bei Mama schmeckt’s am besten!

Wer kocht und schmeißt den Haushalt zu Hause? Meistens immer noch die Mama…. Wieso? Weil es leider immer noch eine weitverbreitete Norm ist, dass die Wichtigkeit des beruflichen Werdegangs des Mannes die der Frau überschattet. Natürlich ist das den Kindern nicht bewusst. Aber es ist auch ganz klar, dass viele Mädchen sich schon früh damit abfinden, später auch einmal fürs Kochen zuständig zu sein und die Wäsche zu waschen. Viele Jungs hingegen identifizieren sich damit, sich später einmal um die „komplizierteren“ und „wichtigeren“ Dinge zu kümmern. Dem Geldverdienen oder dem Reparieren von Gegenständen, da sie in diese Prozesse häufig vom Vater miteingebunden werden, während Mädchen der Mutter beim Kochen helfen.

Diese Fragen und Antworten sind nur ein kleiner Ausschnitt. Ein kleiner Ausschnitt aus einem kleinen Kindergarten in einer kleinen Gemeinde. Aber auch dieser kleine Ausschnitt zeigt, dass auch unsere Gesellschaft noch weit entfernt davon ist, Männer und Frauen gleich zu behandeln. Aber wenn wir bei den Kleinsten unter uns beginnen und ihnen ermöglichen, selbstbestimmt aufzuwachsen und so zu sein, wie sie sein wollen, dann sind wir auf dem richtigen Weg!

Abenteuerliche Klimaschützerin, die gern Sport betreibt und Bücher schreibt. Meistens mit Schlafsack unterwegs, wenn sie nicht im Bett mit ihrer Katze kuschelt. Zerreißt sich vor zu vielen Hobbys und wünscht sich einen Hund in ihrem Leben.

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