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Hefenbruder oder doch Jugendsünder?

Über Geschmäcker lässt sich bekanntlich streiten. Motive jeglicher Art verzieren die Körper vieler Menschen in Form von Tattoos. Ob von persönlicher Bedeutung oder nur dem Trend folgend, müssen sich tätowierte Menschen oft erklären. Doch warum sind Vorurteile nach wie vor bestehend? Klammerauf hat nachgefragt.

Im 21. Jahrhundert werden Tattoos vom Großteil der Gesellschaft als Äußerungen künstlerischer Individualität gesehen. Von Vorurteilen sind tätowierte Menschen jedoch trotzdem nicht geschützt. Worte wie „Tranglar*in“ oder „Verbrecher*in“ muss man sich an den Kopf werfen lassen. Doch haben diese Stereotypen mit dem Ursprung der Tattoos zu tun, oder ist es eben Meinungssache? Dazu wurde die junge und alte Gesellschaft interviewt.

Vom „te tatau“ zum „Tattoo“

Ob Jung oder Alt, weltweit trifft man immer öfter auf Menschen mit Tattoos. Beliebt sind „Peckerl“ mit persönlicher Bedeutung. Nicht zu vergessen das beliebte „Arschgweih“, welches in den späten 90ern populär wurde und heutzutage eher als Jugendsünde gesehen wird. Einigen Menschen sind Tattoos jedoch ein Dorn im Auge. Einen genauen Grund gibt es für die Ablehnung meist nicht, „es ist einfach hässlich und eine Zerstörung des Hautbildes“ verstärkt die Meinung der Gegner*innen. Der Ursprung der Tattoos liegt einige Zeit zurück. Im 18. Jahrhundert kamen zwei britische Seefahrer mit den damals noch unbekannten Permanent-Körperbemalungen von den Pazifikreisen zurück nach Europa. Das englische Wort „Tattoo“ stammt von dem tahitischen Begriff „te tatau“.

Menschen mit Tätowierungen sehen die einzelnen Tattoos meist als gesamtes Kunstwerk und können sich nicht oft genug unter die Nadel legen. Jedoch steigt mit jedem weiteren Tattoo das Risiko auf neue Vorurteile der Gesellschaft. Meist urteilen die „Tattoo-Gegner*innen“ nicht über das Tattoo, sondern über die tätowierte Person selbst. Ob zurecht oder nicht, die Gesellschaft des derzeitigen Jahrhunderts ist zwar offener geworden gegenüber permanenten Körperbemalungen, jedoch steht man den Tätowierungen nach wie vor kritisch gegenüber.

„Ich habe immer etwas Langärmeliges getragen“

Nicht nur auf der Straße, auch am Arbeitsplatz wird man manchmal schief angeguckt oder angesprochen. Bei der Jobsuche könnte ein „Peckerl“ ebenfalls ein Problem darstellen. Jaqueline (28), angehende Sozialbetreuerin, hatte es in diesem Fall nicht allzu schwer. Im Interview mit Klammerauf erzählt sie:

„Ich war 7 Jahre lang im Office in einer Spedition, da war es großteils egal. Mein Chef fand es zwar nicht so toll, aber meine Leistungen haben darunter nicht gelitten. Außerdem hatte ich immer etwas Langärmeliges an. Das Tattoo am Finger übersah er sowieso.“

In der Gastronomie kann es jedoch schwierig werden zu jeder Jahreszeit langärmelige Kleidung zu tragen. Julia (19), arbeitet in einem Restaurant in Wien und meinte im Interview: „Da ich persönlich keine Tattoos an permanent sichtbaren Stellen habe, ist das bei meinem Job kaum ein Problem. Meine Chefs haben selbst Tattoos, schwierig wird es, und das sehe ich bei Kolleg*innen nur im Sommer, wenn man sehr auffällige Tattoos auf den Armen mit langärmeliger Kleidung bei 30 Grad Außentemperatur verdecken muss. Das ist aber zum Glück kein dauerhafter Zustand.“ 

„Dein Arm ist ja schwarz“

Mittlerweile gibt es jegliche Art von Tattoos. Ob Blumen, Totenköpfe, Schriftzüge oder chinesische Zeichen, immer wieder werden neue Tattoo-Trends entdeckt. Eine Tattoo-Art, welche wahrscheinlich nicht jedem ein Begriff ist, ist das „Blackout-Tattoo“. Jaqueline (28) ist selbst Trägerin eines Blackout-Tattoos und hat diese Art von Tattoo im Interview als düster und anfangs ungewohnt beschrieben, da es eine großflächige Tätowierung ist, welche den jeweiligen Körperbereich komplett und schwarz abdeckt.

„Dem Papa sage ich immer, ich habe das schon lange und er kennt mehr als die Hälfte von meinen Tattoos gar nicht.“

-Jaqueline, 28, angehende Sozialbetreuerin

Jaqueline steht zu ihren Tattoos, doch das Tattoo, welches am meisten für Aufmerksamkeit und schiefe Blicke sorgt, ist ihr Blackout-Tattoo am unteren Arm. Somit ist ihr Unterarm von schwarzer Farbe bedeckt. „Ich entschied mich vor einem halben Jahr meinen Arm bis auf zwei Blumenmotive komplett schwarz zu machen, leider dauert das sehr lange da es eine große Fläche ist und es dann doch etwas schmerzhaft ist. Tattoos kann man  planen, das Leben aber nicht. Wenn mich jemand vor 10 Jahren gefragt hätte, ob ich mal ein Blackout Tattoo haben möchte, hätte ich nein gesagt. Ein Blackout Tattoo erzählt meist eine große Geschichte auch wenn viele glauben es ist nur eine Cover- up- Notlösung.“, so Jaqueline im Interview zu Klammerauf. Von der Gesellschaft wird dieses Tattoo jedoch nicht immer akzeptiert. Aussagen wie „Warum ist der Arm so gefleckt, was ist passiert“ oder „dein Arm ist ja schwarz“, bekommt Jaqueline öfter zu hören, nimmt sie mittlerweile aber locker und selbstbewusst entgegen.

Im Gegensatz zu Jaqueline, hat Julia (19) ihre Tattoos an weniger auffälligen Stellen. Das einzige permanent sichtbare Tattoo an ihrem Körper ist ein kleines Cocktailglas hinter ihrem rechten Ohr. Dieses kleine Motiv brachte Julia jedoch ebenfalls die ein oder andere komische Bemerkung, wie zum Beispiel „Bist leicht a Tranglerin, oder warum host a Cocktailglasl hinterm Ohr tätowiert?“. Julia verbindet mit diesem Motiv aber ihr Hobby und ihren Beruf, und zwar ist sie in der Gastronomie tätig und ausgebildete Barkeeperin.

„Ich bin gegen Tätowierungen“

Die Meinungen zu Tattoos spalten die Gesellschaft. Auffällig ist, dass meist die ältere Generation Tätowierungen kritisch gegenüber steht. Um eine gegnerische Meinung ebenfalls zu erfassen, wurde Anton (79) (Anm.: Name wurde von der Redaktion geändert) von Klammerauf interviewt. „Egal welches Motiv, ich bin gegen Tätowierungen. Wenn man sich tätowieren möchte ist das nicht meine Angelegenheit, aber mir gefällt es einfach nicht. Vorurteile kommen auf, aufgrund der damaligen „Hefenbrüder“ welche tätowiert wurden, um im Gefängnis erkannt zu werden und somit Verbrechen begangen haben. Ganz vergisst man diese frühere Bedeutung natürlich nicht.“, so Anton zu Klammerauf. Auf die Frage, ob Tattoos ein Zeichen der modernen Zeit sind und derzeit im Trend liegen, antwortete man mit einem klaren „Ja, definitiv!“. Zur Meinungsverschiedenheit zwischen der jungen und alten Generation meint Anton, dass Tattoos früher eher als Markierungen galten und nicht als Äußerungen künstlerischer Individualität.

„Es ist Geschmackssache, aber ich verstehe nicht, warum man seinem Körper so etwas antut.“

-Anton, 79, Pensionist

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© Celina Mikula

„Es soll jeder so Leben wie er mag“

Damals galten Tattoos als Markierungen für Prostituierte, Diebe, Verbrecher*innen, Sträflinge und Krieger*innen. Heutzutage erzählen jedoch die meisten Tattoos eine Geschichte. Von den interviewten, tätowierten Personen wurde ein Appell ausgesprochen.

Jaqueline (28), möchte ans Herz legen: „Einfach nicht viel Nachfragen warum man Tattoos hat, hinter jedem Tätowierten Menschen steckt eine Geschichte und manchmal möchte man die gar nicht groß erzählen oder sich rechtfertigen. Es soll jeder so Leben wie er mag. Und bitte (!!!) nicht einfach die Tattoos anfassen, I HATE IT!!!“

Julia (19) äußerte sich mit den Schlussworten: Ich persönlich finde, dass jeder mit seinem Körper machen kann was er/sie möchte. Man sollte sich nicht von anderen beeinflussen lassen und einfach sein/ihr Ding durchziehen.“

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Genießt ihr junges Dasein als Landkind. Ist Familienmensch und hat gern ihre Freunde um sich. An den Wochenenden geht sie gerne fort, unter der Woche ist sie gern Zeitaufschieberin und verbringt zu viel Lebenszeit mit Serien und Trash-TV. Spielt gerne Tamburizza im kroatischen Gesangsverein. Secret Fact: versteht kroatisch.

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