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#instasexismus – das Märchen von Gleichberechtigung

Zwischen aufgeklebten Wimpern und falschem Lächeln – die Inszenierung von Frauen in sozialen Medien scheint das Denken über das weibliche Geschlecht zunehmend zu beeinflussen. Das ach so „schwache“ Geschlecht muss daher nicht nur in der Realität, sondern auch online stark sein. 

Stets top-gestylte Schönheiten, teure Luxusurlaube und dazwischen noch Beauty- und Fitnesstipps – all dies sind Inhalte, welche sich mittlerweile auf Instagram etabliert haben. Privatsphäre und Öffentlichkeit gehen hierbei immer mehr ineinander über, denn circa 1 Milliarde User*innen geben oftmals jedes noch so kleine Detail über ihr Leben preis – von Essgewohnheiten bis hin zum WC-Besuch. Trotz der enormen Öffentlichkeit, spannt diese Plattform einen gewissen Rahmen an Anonymität, welcher Hass und Vorurteile über oftmals unbekannte Personen zulässt.

Rollenbilder – Mann ist nicht gleich Frau

Man könnte meinen, dass in Zeiten von Aufklärung, durch das Internet und den sozialen Medien, Menschen toleranter und weltoffener geworden sind, jedoch zeigt sich das komplette Gegenteil. Auf Plattformen wie Instagram bestätigt sich nämlich oftmals das altmodische Rollenklischee – Männer sind Macher während sich Frauen mit ihrem Aussehen beschäftigen. Laut einer Studie finden rund die Hälfte der jungen Männer und etwa ein Drittel der jungen Frauen, welche täglich auf sozialen Medien aktiv sind, dass Frauen immer noch für den Haushalt und die Kinderbetreuung zuständig seien. Wie sollen durch diese Weltanschauung Ungleichberechtigung und Vorurteile endgültig beseitigt werden?

Pro Sekunde werden etliche Beiträge auf Instagram gepostet. Angefangen mit Bildern des gemeinsamen Familienurlaubs, über rassistische Mitteilungen und Hass-Postings, Waffengebrauch bis hin zu süßen Tiervideos – auf der Plattform landen die allmöglichsten Inhalte.

Jugendgerecht sind gewisse Posts längst nicht mehr, wenn man bedenkt, dass man eigentlich mindestens 13 Jahre alt sein muss, um sich auf der Plattform registrieren zu können. Diese Altersbegrenzung scheint auch der Grund dafür zu sein, weshalb weibliche Brustwarzen auf dem Sozialen Netzwerk zensiert werden müssen, was auch viele Menschen zu befürworten scheinen. Wenn Kinder im Internet navigieren, ist die Wahrscheinlichkeit groß, auf nicht jugendfreie Inhalte zu stoßen. Die Frage stellt sich jedoch, was sich nun konkret als nicht jugendgerechter Content bezeichnen lässt.

Von einer feministischen Sichtweise aus betrachtet, ist dies ein Fall von Diskriminierung und Ungerechtigkeit. Wenn nämlich männliche Nippel gezeigt werden, scheint dies – egal ob im Schwimmbad oder auf Social Media – vollkommen in Ordnung und überhaupt nicht „schlimm“ zu sein. Wo liegt aber der Unterschied zwischen weiblichen und männlichen Brustwarzen? Sehen diese denn nicht gleich aus?

Selbst in unserer westlichen Gesellschaft gilt der weibliche Körper insgeheim immer noch als Tabuthema. Frauen sollten in der Öffentlichkeit im Gegensatz zu Männern Bikinioberteile und BHs tragen, obwohl doch die weibliche Brust etwas so Natürliches ist. Wieso sollten sich also Frauen für ihren Körper schämen müssen? Mittlerweile machen schon viele Menschen, besonders Künstler, auf solche Missstände aufmerksam wie zum Beispiel @taboob_official.

„Taboob’ is an art project that sets out to discover what makes a breast a breast, and when, according to Instagram, a breast is no longer a breast.“ taboob, Künstler

© Laura Armellini

© Laura Armellini

Hass im Netz – (not) your business

© Laura Armellini

© Laura Armellini

Berühmte Bloggerinnen mit mehreren hunderttausend Abonnent*innen, rekeln sich auf ihren Profilen gerne in knappen Bikinis in der Sonne. Dies kommt dann auch bei den Fans ziemlich gut an, denn solche Bilder erhalten mehr Likes und Kommentare, als andere Beiträge.

Was passiert aber, wenn das Mädchen von nebenan, zufrieden mit seinem Körper ist und solche Bilder postet?

Häufig ist es so, dass es bei Instagrammerinnen cool ist, wenn sie nackte Haut zeigen, allerdings bei der Nachbarin ein komplettes No-Go. Warum werden manche Mädchen und Frauen von Männern wie auch Frauen als B**** bezeichnet, nur weil sie genauso wie Bloggerinnen, ihren Körper auf Instagram präsentieren?

Viele Mädels, die auf Instagram aktiv sind und regelmäßig Bilder in Outfits posten, welche nicht gerade einer Ganzkörperverschleierung entsprechen, erhalten oft unangemessene Nachrichten und Kommentare. Zum einen gibt es jene diskriminierenden Mitteilungen basierend auf Neid und Eifersucht, wie unter anderem Beleidigungen. Zum anderen gibt es dann noch jene anzüglichen Nachrichten, welche an sexueller Belästigung grenzen, wie unangemessene Bilder und dergleichen.

Was gibt aber Menschen das Recht über Bilder zu urteilen, beziehungsweise zu glauben, dass ihnen gewisse Bilder die Erlaubnis geben, über Personen zu werten?

Die Autorin und Journalistin Ingrid Brodnig schreibt in ihrem Blog genau über solche Themen. In einem Artikel meint sie, dass die Rechtslage in Österreich wenig Schutz vor sexistischen Postings biete und aus juristischer Sicht derbe und herabwürdigende Meldungen an Frauen eher nur eine Beleidigung sind.

„Einer der größten Mythen rund um das Internet ist, dass es automatisch ein egalitärer Raum ist.“ Ingrid Brodnig, Autorin und Journalistin

© Shamia Casiano via Pexels

© Shamia Casiano via Pexels

Wie bereits erwähnt sind es nicht immer nur Männer, welche Frauen auf Social Media demütigen, sondern auch andere Frauen. Vielleicht ist es das gewisse Maß an Anonymität oder auch die Tatsache, dass die Beleidigungen eben „nur“ online erfolgen, weshalb Hass im Netz und Cybermobbing so präsent sind.

Sollten Frauen nicht besser zusammenhalten, anstatt über andere Frauen zu lästern? Sollten Männer nicht besser Frauen unterstützen und sich für sie einsetzen, anstatt sie wie ein Objekt zu behandeln? Denn egal ob in der Realität oder im Netz, Sexismus bleibt Sexismus und Beleidigungen bleiben Beleidigungen.

Und wer mit Nettigkeit und Emanzipation von Frauen nun doch nichts am Hut haben will, hier ein guter Tipp: Wenn euch gewisse Beiträge so stören, seht euch solche Posts doch einfach nicht an, anstatt blöde Kommentare zu schreiben!

Laura ist ein tiefenentspanntes Mitglied der Brauche-Druck-zum-Lernen-Gemeinde. Sie hat drei Tage für die mündliche Matura gelernt. Die Tirolerin lässt sich die Welt lieber von Podcasts erklären. Außerdem hört sie so ziemlich jedes Musikgenre, das die Branche zu bieten hat (ja, auch Heavy Metal). Für die allgemeine Kaffeesucht hat sie kein Verständnis, sondern genießt während der Begutachtung ihrer Briefmarkensammlung lieber Tee. Vavara, die strahlende Blondine, kommt aus Russland - Moskau - wohnt aber in Wien. Sie ist Studentin an 2 Universitäten- WU und Uni Wien und beherrscht 4 Sprachen. Sie ist stark abhängig von Instagram, liebt Tee, Reisen und Netflix. Sie hat früher Tennis gespielt und macht jetzt gerne stundenlange Spaziergänge. Das Obst ist ihr Feind, aufgrund ihrer Fruchtallergie. Interessiert an Mode, Werbung und Wirtschaft.

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