the-hk-photo-company-6GQ7V2l5iPA-unsplash-1-scaled.jpg?fit=2560%2C1707&ssl=1

Interreligiöse Beziehungen: “Die eigene Identität ändert sich doch nicht“

Ungefähr 22 Prozent der in Österreich geschlossenen Ehen sind binational. Paare mit verschiedenen Herkünften, Religionen und Kulturen, sind durch die Globalisierung schon längst keine Seltenheit mehr. Die Tendenz ist steigend, denn bei den Statistiken werden beispielsweise keine unverheirateten Paare miteingeschlossen. So auch bei Anna und Ismail (Namen von der Redaktion geändert). Sie ist katholisch und er muslimisch. Im Gespräch mit Klammerauf berichtet Anna über ihre Beziehung.

Anna ist aus Österreich und Ismail aus Ägypten. Kennengelernt haben sie sich während dem Studium im Studentenwohnheim. Bevor sie sich getroffen haben, war das Thema Religion für Anna nicht wirklich von großer Bedeutung. Sie besuchte den Religionsunterricht in der Schule, der aber eigentlich mehr einem Ethikunterricht glich. Anna lernte durch die Beziehung mit Ismail neue Eindrücke über Religionen kennen.

photo-1596193433486-02333accdc13?ixid=MnwxMjA3fDB8MHxwaG90by1wYWdlfHx8fGVufDB8fHx8&ixlib=rb-1.2.1&auto=format&fit=crop&w=1000&q=80

unsplash ©

Religion als Identität?

„Ich habe immer gedacht Religion ist etwas Altes und Konservatives. Etwas, woran vorrangig alte Leute glauben und keine Relevanz mehr für mein heutiges Leben hat“, meint Anna. Das ist nicht verwunderlich, denn die katholische Kirche ist zur heutigen Zeit nicht mehr ganz so präsent in  Österreich vertreten, wie sie es einst einmal war. Denn die deutliche Mehrheit an Christ*innen in Österreich mit Bekenntnis, leben kaum nach der Religion. Durch die Begegnung mit Ismail und anderen muslimischen Freund*innen, hat Anna eine neue Seite von Religion entdecken können: „Im Islam ist es genau das Gegenteil. Ich habe das Gefühl, dass es da vielmehr im Alltag integriert wird und sich gut vereinbaren lässt.“  Anna hat für sich realisiert, dass Religion ein Teil der eigenen Identität sein kann, aber nicht zwingend die ganze Identität ausmachen muss. „Man muss sich selbst deswegen nicht verändern, es sind halt Rituale, die man dann eventuell anders macht, aber man bleibt immer noch man selbst.“, berichtet Anna.

Beschäftigung mit Islam – „Nur für mich selbst“

 

Manche werden mit Vorurteilen aus der eigenen Familie und dem Freundeskreis konfrontiert, andere ernten verurteilende Blicke der Nachbar*innen. Auch Annas Beziehung mit Ismail bleibt nicht von Kommentaren verschont. Dass sie sich nun intensiver mit dem Islam beschäftigt, ist grundsätzlich kein Problem für die Leute, jedoch achtet sie sehr darauf, was sie genau erzählt:

„Ich habe mich auch in meinem Studium an der Universität mit dem Islam beschäftigt und das kommt besser an, als wenn ich erzähle, dass ich mich auch mit dem Islam beschäftige, weil dieser Ismail wichtig ist,“ meint Anna. Sie lernt für sich, dass die Menschen unterschiedlich damit umgehen. Dass sie sich Wissen über den Islam aneignet, kann sie jedem sagen. Aber, dass sie herausfinden möchte, ob sie an dem Islam glaubt und überlegt zu konvertieren, ist nicht für jeden leicht zu verdauen. Oftmals fehlt den Leuten einfach das Verständnis: „Sie verstehen nicht, dass ich das für mich selbst mache und glauben, dass ich es nur tue, weil Ismail es so will,“ meint Anna.

„Ja“ zum Kopftuch ist auch Feminismus

woman in blue shirt standing during daytime

unsplash ©

„Bitte trag kein Kopftuch“, ist einer der Sätze, die Anna am öftesten hört. Sie glaubt, dass diese Einstellung primär eigentlich nicht aus einer bösen Absicht stammt: „Ich habe oft das Gefühl, dass die Leute denken, dass sie mich beschützen müssen.“, meint Anna. Viele Menschen scheinen nicht realisieren zu wollen, dass Anna keine Gefahr droht und sie nicht beschützt werden muss. Dass so eine Einstellung eigentlich auch sehr entmündigend und beleidigend ist,   realisieren sie kaum: „Viele Aussagen geben ihm die Täterrolle und sehen mich in der Opferrolle“, berichtet die Studentin. Anna ärgert dieser Umstand sehr, da die Leute solche Aussagen einfach den Medien nachplappern, anstatt sich über den Koran zu informieren. „Zusätzlich erschwert es einem auch die Sache, wenn man versucht Entscheidungen für sich selbst zu treffen und dann nur als Opfer wahrgenommen wird.“

Eine Ansicht, die weder Ismail noch Anna gegenüber fair ist. „Ich bin selbst in der Lage, die Entscheidung zu treffen, ob ich konvertiere und dann ein Kopftuch trage oder eben nicht,“ so Anna. Diese Entscheidungsfreiheit wird sie sich von niemanden nehmen lassen. Denn Freiheit darf nicht nur eine Option sein: „Freiheit bedeutet die Wahl zu haben, was man als Frau tragen möchte“, meint Anna. Diese Freiheit bezieht sich nicht nur darauf, dass man als Frau wenig Kleidung anhaben darf, sondern gilt auch in die andere Richtung. „Es soll auch die Wahl ermöglicht werden, sich zu verschleiern, wenn man es möchte, ohne deswegen diskriminiert zu werden.“, meint Anna. Denn das steht auch für Feminismus und Gleichberechtigung.

Singt gerne unter der Dusche. Liebt Weihnachten so sehr, dass sie sich bereits im Sommer darauf freut. Harry Potter - Liebhaberin, die wünschte Magie wäre wahr. Hasst wenn man ihren Namen falsch schreibt, lebt vegetarisch und möchte später gerne beim Radio arbeiten.

Post a Comment

You don't have permission to register