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LET’S TALK ABOUT: MENTALE GESUNDHEIT WÄHREND EINER PANDEMIE

Gerade jetzt ist es wichtig, über die mentale Gesundheit zu reden. Wir sind inmitten einer Pandemie, die bei vielen psychischen Spuren hinterlässt. Klammerauf hat mit Student*innen über die psychischen Auswirkungen der Corona-Krise gesprochen.

Rund ein Viertel der Bevölkerung leidet an depressiven Symptomen

Lockdown über Lockdown. Momentan befinden wir uns in einer Dauerstress-Situation. Jetzt sag‘ mal ganz ehrlich, wie geht es dir zurzeit? Falls nicht so gut, ist das okay, denn du bist damit nicht alleine. So zeigt eine Studie der Donau-Universität Krems aus dem Jahr 2020, dass sich die Häufigkeit depressiver Symptome in Österreich seit Anbeginn der Corona-Krise vervielfacht hat. Schlafstörungen und Angstsymptome sind ebenfalls angestiegen.

Die Anderen – wie du und ich

Oft werden psychisch erkrankte Personen als „anders“ empfunden. Es ist an der Zeit dieser Stigmatisierung von Menschen mit psychischen Erkrankungen den Kampf anzusagen. Der einfachste Weg, etwas zur Entstigmatisierung psychischer Krankheiten beizutragen ist darüber zu reden. Das eigene Wissen ständig zu erweitern und nach neuen Informationen suchen. Diese dann weitergeben und andere dazu animieren das Gleiche zu tun.

Nina J. ist 19, Studentin und kommt aus Strasshof, Niederösterreich. Sie hat letztes Wintersemester ihr Bachelorstudium Primarstufe begonnen. Die 20-Jährige Milica I. studiert ebenfalls. Sie hat im Wintersemester 2020 ihr Bachelorstudium Psychologie begonnen, nebenbei arbeitet sie als stellvertretende Filialleiterin in einem Modegeschäft. Diana A. ist 21, kommt aus Gänserndorf, Niederösterreich. Sie arbeitet als Immobilienkauffrau.

Klammerauf: Wie geht es euch momentan, inmitten der Corona-Krise?

Nina J.: Im Großen und Ganzen geht es mir ganz gut. Ich versuche das Beste aus der Corona-Situation zu machen.

Milica I.: Mir geht es den Umständen entsprechend okay. Körperlich geht’s mir sehr gut, aber in letzter Zeit habe ich öfters Existenzängste bezüglich meiner Arbeit. Aufgrund des wieder einmal verlängerten Lockdowns.

Diana A.: Aufgrund der aktuellen Situation bin ich, wie so viele andere Leute auf der Welt, eher traurig. Ich bin einerseits froh, dass bei mir zuhause alle gesund sind und keiner infiziert ist bzw. war. Leider gab es jedoch mehrere Corona-Positive mit schlimmen Krankheitsverläufen in meiner näheren Verwandtschaft, was mich sehr mitnimmt.

Klammerauf: Spürt ihr negative Auswirkungen auf eure Psyche aufgrund von Corona? Wenn ja, welche?

Nina J.:      Ich spüre definitiv negative Auswirkungen aufgrund von Corona. Vor allem als ich in Quarantäne war, wurden diese besonders sichtbar. Die ganze Zeit eingesperrt zu sein und nicht die Wahl zu haben, seine eigenen vier Wände zu verlassen, war für mich persönlich eine psychische Belastung.

Milica I.: Mir fehlt es einfach wieder einmal mich mit Freund*innen zu treffen, mit denen über Gott und die Welt zu reden, mit ihnen feiern zu gehen und einfach mein Leben zu genießen. Ich muss auch sagen, es wird von Lockdown zu Lockdown schwerer nicht die Hoffnung zu verlieren und in eine zuversichtliche Zukunft zu blicken.

Diana A.: Einige Freund*innen habe ich jetzt schon monatelang nicht gesehen, das macht mich ebenso zunehmend fertig. Ich habe pausenlos das Gefühl, vor allem am Wochenende, dass ich raus muss, um etwas zu erleben, sei es nur ein kurzer Einkauf, weil ich sonst das Gefühl habe, etwas zu verpassen. Mich macht es psychisch ziemlich fertig, dass wir von einem Lockdown in den nächsten übergehen.

 

Klammerauf: Wie geht es euch mit der Arbeit oder dem Studium im Lockdown?

Nina J.: Was mir an meinem Studium besonders fehlt, ist der physische Kontakt zu den Mitstudent*innen. Da mein Semester von Beginn an im Distance-Learning abgehalten wurde, hatte ich nicht die Möglichkeit sie, abgesehen von Zoom-Meetings und über WhatsApp, richtig kennenzulernen.

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© Illustration: sketchify via Canva

Milica I.: Ich habe erst vor Kurzem angefangen zu studieren und das E-Learning geht einem auf Dauer echt an die Substanz, da man sich immer wieder eigenständig motivieren muss und durch die Pandemie kaum die Möglichkeit hatte Studienkolleg*innen kennenzulernen. Auch das Lernen für die anstehenden Prüfungen fällt mir schwerer, weil ich mich nicht wirklich über den Stoff aktiv austauschen kann und nicht weiß, ob ich überhaupt die richtige Lernstrategie für die neuen Multiple-Choice-Prüfungen mit Transferfragen anwende.

Diana A.: Derzeit ist mein Arbeitsplatz einer der wenigen Orte, an dem ich einfach ich sein kann, mehr als derzeit irgendwo sonst. Ich mache auch Überstunden, einfach dass ich nicht daheimsitze und mir die Decke auf dem Kopf fällt. Ich hoffe, dass ich nicht wieder zurück ins Home-Office muss, weil mir der Kontakt zu meinen Kollegen*innen und das Herumalbern mit ihnen fehlen würde.

Klammerauf: Was tut ihr für eure mentale Gesundheit in Zeiten von Corona?

Nina J.: Damit ich mental gesund bleibe und nicht vollkommen den Verstand verliere, konzentriere ich mich auf meine Bedürfnisse und auf mein Wohlbefinden

Milica I.: Ich schätze die Zeit sehr, wenn ich mit jemanden spazieren gehe, meine tägliche Sportroutine vollziehe und meine Liebsten über Face-Time sehen kann. Für meine mentale Gesundheit telefoniere ich viel, gehe an die frische Luft so oft es geht und versuche mich mit Kleinigkeiten wie meinem Lieblingsessen zu motivieren.

Diana A.: Ich habe mir seit den Weihnachtstagen angewöhnt jeden Tag am Abend eine kleine Runde spazieren zu gehen. Einerseits bringt mich das von dem Stress in der Arbeit wieder runter andererseits kann ich so einfach mal abschalten. Ich finde die Maßnahmen, die die Bundesregierung setzen richtig, aber ich freue mich wieder auf die Zeit, wenn ich bedenkenlos mit jemandem abends in einem Restaurant essen gehen kann.

Klammerauf: Vielen Dank,  für eure Offenheit und dass ihr euch Zeit für das Interview genommen habt!

 

Wenn es dir gerade schlecht geht, bitte zögere nicht und hol dir Hilfe:

Corona-Sorgenhotline Wien: Mo. bis So. zwischen 8 und 22 Uhr – 01/4000 53000
Psychologische Helpline des Berufsverbandes Österreichischer PsychologInnen: Mo. bis Do. von 9 bis 13 Uhr – 01/504 8000

24 Stunden Hotlines:

Psychiatrische Soforthilfe: 01/31 330
Ö3 Kummer Nummer: 116 123
Rat auf Draht: 147
Telefonseelsorge: 142

 

 

Frühaufsteherin und Gin Tonic-Liebhaberin. Ist von Silberwald nach Wien gezogen. In ihrer Freizeit brennt sie leidenschaftlich für englische Klassiker, reagiert aber höchst allergisch auf Fußball. Spricht Deutsch, Englisch und ein bisschen Spanisch. (Französisch kommt als nächstes dran!) Träumt von ihrer zukünftigen Reise nach New York.

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