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Mechaniker but make it weiblich.

Noch immer gibt es unzählige Berufsfelder, in denen Männer dominieren und nach wie vor existieren traditionelle Geschlechterrollen, sowie die damit verbundenen typischen Klischees. Trauen sich deswegen nur so wenige Frauen solche Berufswege einzuschlagen? Völliger Schwachsinn denkt sich Sophie, Mechanikerin-Lehrling in einer Kfz-Werkstatt. Sophie (19) ist die erste Frau in ihrer Firma, die eine KFZ-Lehre gestartet hat. Warum sich roter Nagellack und ihr Traumjob nicht im Weg stehen und wie ihr Leben als Frau in einem männerdominierten Beruf verläuft, liest du in diesem Interview.

Klammerauf: Beginnen wir mit deiner Geschichte. Wie bist du auf den Beruf KFZ-Mechanikerin aufmerksam geworden?

Sophie:  Ich bin sozusagen im Autohaus aufgewachsen, mein Opa hat eine Kfz-Werkstatt gegründet und dort war ich als kleines Kind ständig. Durch ihn konnte ich schon früh an Autos herumschrauben und mich in der Werkstatt ausprobieren. Nachdem sich mein Bruder dann für den Beruf KFZ-Mechaniker interessierte, begann ich erstmals darüber nachzudenken, ob dies vielleicht auch mein zukünftiger Beruf werden könnte.

Klammerauf: Was hat dich endgültig überzeugt, dass du diesen Beruf erlernen möchtest?

Sophie:  Ich habe in meinen Sommerferien bei einem Schmied gearbeitet und dort bemerkte ich wie sehr mir das handwerkliche Arbeiten liegt und wie viel Spaß es mir macht. Zwar probierte ich auch andere Berufe wie Kellnern aus, aber diese waren eher ein Horror für mich. Auch meine Begeisterung für Autos wurde mit dem Alter immer größer und dadurch, dass mein Auto von der Marke VW ist und mein Arbeitsweg zum Schmied täglich bei einer VW-Werkstatt vorbeigeführt hat, habe ich dann einfach mal nachgefragt ob ich bei ihnen schnuppern kann. Ich konnte dann drei Tage das Arbeitsleben kennenlernen und war sofort von den Leuten und natürlich auch der Arbeit begeistert. Besonders, dass man in meiner Werkstatt noch schraubt und nach Lösungen sucht und nicht nur mit dem Computer arbeitet, finde ich richtig toll.

Klammerauf: Im Vorgespräch hast du mir erzählt, dass du vor deiner KFZ-Lehre noch auf ein Gymnasium gegangen bist. Was hat dich motiviert nach deiner abgeschlossenen Matura doch noch eine Lehre zu starten?

Sophie:  Anfangs war die Lehre eigentlich nur eine Zwischenlösung für mich, damit ich mir klar darüber werde, ob ich doch noch studieren möchte und wenn ja was. Doch dann bin ich auf die duale Akademie aufmerksam geworden, diese ist speziell für AHS Maturanten:innen und verbindet meine Matura mit der Lehre. Ich habe zum Beispiel zusätzlich zu meiner normalen Berufsschule noch ECTL und Business Englisch. Was ich auch sehr gut finde ist, dass meine Mitschüler:innen in meinem Alter sind. Denn alle in der dualen Akademie haben bereits die Matura und somit muss ich nicht mit 14-jährigen in der Klasse sitzen, sondern kann mit Gleichgesinnten den Unterricht verbringen.

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© Sophie Krammer

Klammerauf: Kommen wir nun zu deiner Arbeit als KFZ-Mechanikerin. War es für dich anfangs beängstigend als Frau einen sogenannten „Männerberuf“ zu erlernen?

Sophie:  Anfangs habe ich mir dabei eigentlich nicht viel gedacht, aber als ich dann meine Lehre begonnen habe, machte ich mir immer mehr Gedanken über dieses Thema gemacht.. Zum Beispiel ist mir erst beim Arbeiten aufgefallen, dass einige Männer anfangs immer versucht haben mir die Arbeit abzunehmen. Ich glaube nicht, dass sie das bewusst gemacht haben, aber mir ist es eben aufgefallen. Mittlerweile weiß ich, wie ich mich durchsetzen kann und bin auch viel selbstbewusster in der Werkstatt. Ich muss aber schon zugeben, dass es auch Vorteile mit sich bringt, wenn die männlichen Kollegen dir bei Dingen helfen können für die du einfach zu schwach bist oder dir an dem Tag die Kraft fehlt.

Klammerauf: Hast du jemals schlechte Erfahrungen als Frau in einem „Männerberuf“ gemacht?

Sophie:  Es gibt eigentlich nur eine wirklich schlechte Erfahrung, die ich gemacht habe, diese bezieht sich auf ein paar Aussagen von einem männlichen Kollegen, die man einfach nicht hören möchte als Frau in so einem Beruf. Leider ist das sexualisieren von weiblichen Körpern immer noch ein vorherrschendes Problem in unserer Gesellschaft, das macht die Arbeit als einzige Frau in einem Betrieb nicht wirklich leichter. Jedoch konnte die Situation durch ein Gespräch gelöst werden. Reden ist in solchen Situationen das wichtigste, einfach die Dinge ansprechen die einen stören.

Klammerauf: Was sind im Gegensatz dazu die guten Erfahrungen, die dich deinen Job so lieben lassen?

Sophie:  Einfach das Schrauben… Das Herumschrauben beim Auto, das Fehlersuchen, die Problemlösung, ich finde die Arbeit an sich einfach super interessant. Aber auch das generelle Arbeitsklima und die Arbeitskollegen sind sehr nett und immer bereit mir alles zu erklären und mir bei allen Dingen weiterzuhelfen.

Klammerauf: Was würdest du Mädchen mitgeben die sich gerade noch nicht trauen einen „Männerberuf“ zu erlernen?

Sophie:  Mädchen und Frauen, die sich für solche Berufe interessieren, sollten unbedingt einmal hineinschnuppern. Es gibt eigentlich nichts zu verlieren, wenn ihnen die Schnuppertage gefallen, dann haben sie vielleicht ihren Traumberuf gefunden und wenn nicht, dann eben nicht. Man sollte es aber definitiv versuchen! Ich glaube, wenn mehr Frauen solche Berufe bei Berufsinformationsmessen oder Schulveranstaltungen vorstellen würden, dann würden Mädchen auch solche Zukunftswege mehr in Erwägung ziehen und sich eher trauen es einfach mal zu probieren.

Klammerauf: Danke für das Interview!

Kaffeehasserin aus Salzburg, oda? Mag dennoch keine Mozartkugeln, denn Gummibärli sind ihre „favs“ - am besten ohne Gelatine, denn sie ist stolze Vegetarierin. Tanzt immer und überall, ob in der U-Bahn oder auf der Bühne, wenn sie nicht gerade auf Weltreise ist, um ihre 5 Halbgeschwister zu besuchen. Hat eine Begabung für Akzente und Denglisch ist ihre Lieblingssprache.

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