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Size zero – glücklicher wurde ich trotzdem nie

Marie hat sich selbst noch nie wirklich gefallen, sagt sie. Andere Frauen fand sie immer schöner. Besonders im Internet findet sie endlos viele Bilder von makellosen Size Zero Frauenkörpern. Marie redet sich ein: „Wenn ich abnehme, werde ich glücklich sein. Wenn ich dünn bin, dann bin ich endlich schön.“ Was zu Beginn nur eine Diät ist, entwickelt sich schnell zu einer gefährlichen Krankheit.

 

Harmlose wirkende Diät führt in die Magersucht

Anorexia nervosa – laut dem österreichischen Frauenbericht 2011 die dritthäufigste psychische Erkrankung im Jugendalter. Österreichweit lässt sich eine knapp 80 prozentige Steigerung der stationären Aufnahmen zur Behandlung von Essstörungen erkennen: 1998 wurden 1.520 Personen behandelt, im Jahr 2008 ist die Anzahl auf 2.734 Personen angestiegen.

Die Mädchen in der Schule sind alle sportlich und fit. Marie (Anm.: Name wurde von der Redaktion geändert) steht die meiste Zeit eher im Hintergrund. „Jetzt trägst du schon Größe 38? Mein Gott, du wirst ja auch immer dicker!“ lautet ein Kommentar von Maries Mutter. Die damals 16-jährige Marie nimmt sich vor, eine Diät auszuprobieren und dreimal die Woche Sport zu treiben. Schon nach kurzer Zeit bekommt sie Komplimente und Zuspruch, auch die Aufmerksamkeit der Burschen in der Klasse steigt. Plötzlich ist Marie keine Außenseiterin mehr und fühlt sich fast wohl in Ihrer eigenen Haut.

„Trotzdem war es niemals genug. Ich wollte noch dünner werden, in eine noch kleinere Kleidergröße passen. Jedes Mal, wenn die Waage weniger anzeigte, fühlte ich mich unbeschreiblich gut.“

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© Canva

Das Schlanksein wird für Marie zur obersten Priorität. Sie gerät in eine Spirale von Fasten und Heißhungerattacken. Das Maximum an täglich erlaubten Kalorien setzt sie auf 700 Kalorien fest. Alles was sie zu sich nimmt, notiert sie haargenau in ihrem Tagebuch. Marie versucht jede Kalorie mit Sport zu kompensieren. Sie tritt Pro Ana Gruppen bei und folgt auf unterschiedlichen Social Media Plattformen Thinspo Blogs. Hier tauschen sich Gleichgesinnte aus, senden sich Body Updates, also Bilder von Ihren Körpern, teilen sich gegenseitig Ihr Wunschgewicht mit und geben sich Tipps, wie sie dieses schneller erreichen können. Marie wird auf einer Online Plattform mitgeteilt ihr Idealgewicht wäre bei 42 Kilogramm – bei einer Körpergröße von 1,64 Metern schweres Untergewicht.

„Essen ist für mich schon lange kein Genuss mehr, mir schmeckt nichts. Ich denke nur an die unnötigen Kalorien.“

Teufelskreis: Immer dünner, immer einsamer

Familie und Freunde sind immer unwichtiger geworden. Wenn Marie jemand fragte, ob sie denn überhaupt noch etwas esse, war das für sie ein riesengroßes Kompliment. Thin-inspirations sind auf Instagram, Pinterest und Tumblr in Massen zu finden. Auch Marie verwendet solche Inspirationsfotos, die abgemagerte Frauenkörper zeigen, um sich so ihr „Ziel vor Augen zu halten“. Auch sogenannte Detoxkuren und Abführmittel gehören zum Tagesablauf. Marie hat mit starkem Haarausfall, dem Ausbleiben ihrer Periode und Schwindelattacken zu kämpfen. 2018 wird Marie mit schwerem Untergewicht ins Krankenhaus eingeliefert. Darauf folgt eine dreimonatige Therapie zur Behandlung von Essstörungen.

Marie hat immer noch mit Gewissensbissen zu kämpfen, wenn sie isst. Ein Wunsch ihrerseits ist, endlich essen zu können ohne im Kopf automatisch die Kalorien mitzurechnen. Sie beschreibt es wie eine Sucht oder eine innere Stimme, die beim Essen besonders laut wird. Die Weihnachtsfeiertage sind für Marie heute noch ein Horror. Das Essen ist fast ausnahmslos sehr kalorienreich. Überall werden Kekse angeboten – man soll doch wenigstens mal einen probieren. Abgesehen davon fühlt sich Marie beobachtet von ihren Verwandten. Jeder achtet ganz genau darauf was und wie viel sie isst. Marie kämpft weiterhin hart für ein besseres Verhältnis zu sich und ihrem Körper.

„Es ist verdammt schwer, aber ich hoffe irgendwann wieder ein normales Leben führen zu können – ganz ohne Magersucht.“

Hilfsangebote für Betroffene und Angehörige

Wiener Gesundheitsförderung

Hotline: 0800 20 11 20

E-Mail-Beratung: hilfe@essstoerungshotline.at

sowhat.

Telefon: +43 1 4065717-0

E-Mail: info@sowhat.at

Josie aus Schladming lebt den Veggie-Lifestyle nun in der großen Hauptstadt. Tierliebend, aber nur lebendig und zum Streicheln. Wird am liebsten mit Hummus und Falafel gefüttert. Liebt Flohmärkte, steht also auf altes Zeug, wie Schallplatten und Kassetten, aber nicht auf den Lugner. Wenn sie Jägermeister riecht, ergreift sie ganz schnell die Flucht. Ihre 10 Dirndln hat sie leider zu Hause auf der Skipiste gelassen.

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