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Verliebt – Verlobt – Verheiratet – Scheidung

Weiße Traumhochzeit, zwei Kinder, Haus mit Garten und ein Hund. Alles scheint perfekt. Bis es das dann plötzlich nicht mehr ist. Trennung – Scheidung – Sorgerechtsstreit um die Kinder. Die harmonische Familienidylle ist Geschichte, selbst die glücklichen Momente der Ehe werden von Anwaltsbriefen überschattet und geraten in Vergessenheit. Meist sind es Frauen, die nach der Scheidung einer Ehe völlig unerwarteten Herausforderungen gegenüberstehen und sich von Grund auf ein neues Leben aufbauen müssen.

Ein Freitagnachmittag kurz vor Weihnachten. Weihnachtsbeleuchtungen erhellen die Straßen, Eltern und Kinder suchen Christbäume aus, Glühweinduft und Vorfreude liegen in der Luft. Bei einem Cappuccino sitze ich mit Monika (Anm.: Name wurde von der Redaktion geändert) in einem gemütlichen Café in Wien. Ich lernte Monika während meines Zivildienstes in einer Sozialeinrichtung in Wien kennen. Liebevoll kümmerte sie sich um die Klienten*innen. Sie lebte mit ihnen mit, half in jeglichen Lebenslagen und hatte dabei immer einen Scherz auf der Zunge. Nach Dienstende ist Monika eine liebende Mutter. Eine Mutter, die das Wohl ihrer Kinder über alles stellt. Eine Mutter, die um das Wohl ihrer Kinder kämpfen musste. Denn hinter ihrer fröhlichen Fassade versteckt sich eine Geschichte, die mich schon bald aus meiner friedvollen Weihnachtsstimmung herausreißen sollte…

Schon im Alter von zehn Jahren lernte sie ihren zukünftigen Ehemann kennen, aber damals war er nur einer von den vielen Schulfreunden ihres Bruders. Mit zwanzig funkte es schließlich und die beiden wurden ein Paar. Sechs Jahre lang führten die beiden ineinander verliebten Studierenden eine glückliche  Beziehung. Mit sechsundzwanzig wurde Monika unerwartet schwanger und in ihrer Beziehung begann es zu kriseln.

Mein Mann war davon überzeugt, dass sein Studium gesellschaftlich anerkannter wäre als meines, weswegen ich mich entschloss zurückzustecken. Man kann generell sagen, dass die Beziehung Mann und Frau bei uns ziemlich traditionell gehalten wurde, weil wir es beide von zuhause nicht anders kannten. 

Mit der Geburt ihrer Tochter wurden die Probleme jedoch nicht kleiner. Die erste Diskussionen darüber, wer sich zuhause um das Kind kümmern sollte und wer sich vorwiegend auf sein Studium konzentrieren würde, starteten. Monikas Partner war davon überzeugt, dass sein Studium gesellschaftlich anerkannter war, als ihres. Deswegen entschloss sie sich dazu, zurückzustecken und ihr Studium hinten an zu stellen.

Ein Lichtblick oder der Beginn eines Alptraumes?

Eine weiße Traumhochzeit und der gemeinsame Hausbau in einem Vorort von Wien sollte das getrübte Beziehungsglück wieder auf die richtige Bahn bringen. Monika verrät mir, dass die Entscheidung, gemeinsam ein Haus zu bauen, ihrer Beziehung auch sehr geholfen hat. „Es war harmonisch und er hat sich auffallend bemüht.“ fügt sie hinzu. In der neu erlangten Ausgeglichenheit der Beziehung kam das eigentliche Wunschkind zur Welt. Was als Start in ein glückliches Familienleben geplant war, entwickelte sich für Monika nach der Geburt ihres Sohnes zum Alptraum.

Ich war mit zwei Kindern schon mehr oder weniger alleinerziehend, weil er einfach der Meinung war, sein Leben läuft so ab wie vorher. 

Ein großes Haus mit Garten, ein Vollzeitjob, zwei Kinder und keine Unterstützung von ihrem Ehemann. Lange Zeit war das Monikas Alltag. Zusätzlich verfestigte sich die klischeehafte Rollenverteilung und die Arbeitslast machte es ihr unmöglich, ihr Studium zu beenden. „Es gab Momente, da war ich sieben Tage die Woche alleine zuhause, mit beiden Kindern, mit allen Sorgen, mit allen Problemen und er war einfach nicht mal erreichbar. Mit der Zeit häuften sich diese Momente, in denen ich mir selbst gesagt habe, dass es für mich besser ist zu gehen, als ständig darunter zu leiden.“ , erzählt Monika. Das tat sie schließlich auch. Monika reichte die Scheidung ein. Ein befreiender Schritt in eine ungewisse Zukunft, die allerdings mit vielen bösen Überraschungen gefüllt war.

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© Sharon McCutcheon / unsplash

„In Österreich herrscht immer noch ein sogenanntes Verschuldensprinzip.“, erklärt die renommierte Ehe- und Familienanwältin Dr. Maria In der Maur-Koenne: „Das heißt, nur wenn mein Partner am Scheitern der Ehe Schuld ist, habe ich Anspruch auf Ehegattenunterhalt.“ Das Monikas (mittlerweile) Ex-Mann schon die längste Zeit ihrer Beziehung eine Affäre mit einer anderen Frau hatte, war zum Zeitpunkt der Scheidung noch nicht bekannt. Deshalb blieb ihr jegliche Chance auf Unterhalt verwehrt. „Das war dumm und naiv von mir und geschickt eingefädelt von ihm.“, gibt Monika zu.

Genug zum Leben, zu wenig zum Überleben

Sowohl das Leben, als auch das Überleben seien sehr hart, erzählt sie. Um staatliche Unterstützungen beantragen zu können, verdient sie nämlich zu viel. Um sich und zwei Kinder zu finanzieren jedoch viel zu wenig. Ein Teufelskreis, dem es sehr schwer zu entfliehen ist. Monika verdiente auch während der Ehe schon immer deutlich weniger als ihr Mann, finanzierte jedoch den Großteil des Haushalts. Nach der Scheidung wurde sie mit Kosten konfrontiert, denen sie schlicht nicht gewappnet war. Eine eigene Wohnung, ein eigener Haushalt und die Bedürfnisse zweier Kinder. Auch der spärliche Unterhalt ihres Ex-Mannes für die beiden Kinder machte das Überleben nicht einfacher. „Es war eine Katastrophe! Wenn man sich vorstellt, was er verdient und was ich verdiene, damit über die Runden zu kommen ist illusorisch.“, äußert sie sich selbst zu diesem Thema. Dr. Maria In der Maur-Koenne rät Frauen – wie Monika – sich frühzeitig um die eigene Absicherung zu bemühen. „Eheverträge bieten eine Möglichkeit, Finanzen oder nachehelichen Unterhalt zu regeln. Jedoch dienen sie primär dazu, klarzumachen, dass jeder weiterhin für sich selbst verantwortlich ist. Mir fällt auf, dass die Naivität über die Versorgung, vor allem durch gemeinsame Kinder, in vielen Fällen relativ hoch ist, weswegen ich den Abschluss eines Ehevertrags als durchaus sinnvoll erachte.“, meint die Wiener Juristin.

Um ihren Kindern ein schönes Leben zu ermöglichen, kämpft Monika weiter. „Mittlerweile weiß ich, wo ich Unterstützung bekommen würde! Ich habe mich durch den Paragraphendschungel gewälzt, um Anschuldigungen von meinem Ex-Mann widerlegen zu können. Ich sehe mich überhaupt nicht als das naive, hilflose Weiblein, denn ich habe gelernt zu kämpfen. Das unterscheidet mich dann vielleicht auch von den klischeehaften Rollenbildern, in die ich während meiner Ehe gepresst wurde. Ich musste immer stark sein: für meine Kinder und mich!“, rekapituliert Monika.

Beratung und Hilfe findest du Hier:

Frauenberatung des Vereins Frauen beraten Frauen

Lehargasse 9, 1060 Wien

T: +43 1 587 67 50

M: office@frauenberatenfrauen.at

Stadt Wien Frauenzentrum

Rathausstraße 2, 1010 Wien

T: +43 1 408 70 66

19-jähriger Start-Up-Gründer. Studiert Internationale Betriebswirtschaftslehre (BWL) und Publizistik & Kommunikationswissenschaft. Verbrachte er als Kind jeden Sommer am Attersee, reist er heute durch die ganze Welt und besonder häufig nach Madrid. Der Sushi- und Pastalover würde gerne nach Vietnam fahren, obwohl Vietnamesisch nicht zu seinem Lieblingsessen gehört.

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