Afghanistan

Zabiullah’s Neustart in Österreich

Jährlich werden tausende Flüchtlinge aus Österreich zurück nach Afghanistan geschickt. Der 22-jährige Zabiullah ist gerade dabei sich ein Leben – fernab von Gewalt und Krieg – in Österreich aufzubauen. Doch auch für ihn ist noch nicht klar, wie seine Zukunft nach der Flucht aussehen wird.

Afghanistan ist jenes Land, das im Report des Global Peace Index 2019 den letzten Platz belegt und somit das Land mit dem geringsten Maß an Frieden der Welt ist. Der seit fast 40 Jahren andauernde Bürgerkrieg hat das Land zu einem großen Teil unbewohnbar gemacht und die Lage verschlechtert sich immer weiter. Die radikal-islamistische Gruppe der Taliban spielt dabei die Hauptrolle.

Letzter Ausweg: Flucht

Die Fluchtgründe sind vielfältig. Sie reichen von der Zugehörigkeit zu einer – vor allem nicht-muslimischen – ethnischen Minderheit, bis zur Todesstrafe für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender-Personen und Intergeschlechtliche. Der bislang häufigste Grund einer Flucht ist aber die Zwangsrekrutierung bei männlichen Minderjährigen. Bei einer Widersetzung gegen die feindlichen Mächte sind auch Familienangehörige gefährdet.

Ein Großteil der verfolgten Menschen afghanischer Herkunft versucht in Pakistan und im Iran Fuß zu fassen, jedoch flüchten jährlich auch Tausende in andere Länder, um dort einen Neubeginn zu wagen. Im Jahr 2018 haben in Österreich 2.120 Menschen aus Afghanistan um Asyl angesucht. Von Jänner bis November 2019 waren es sogar schon 2.633 Menschen. Seit dem Jahr 2016 gibt es ein Rückübernahmeabkommen zwischen der Europäischen Union und der afghanischen Regierung, das Abschiebungen nach Afghanistan erleichtern soll.

Diagramm

Entwicklung der Asylanträge von Menschen afghanischer Herkunft in Österreich vom Jahr 2000 bis 2019

Flucht in ein Land, wo Menschenrechte zählen

Auch der 22-jährige Zabiullah wurde mit dem Krieg in Afghanistan konfrontiert. Vor fünf Jahren musste er aus seiner Heimat flüchten und erreichte zunächst Ungarn. Nachdem er aber von einigen Leuten gehört hatte, dass die Polizei dort teils sehr aggressiv mit Flüchtlingen umgehe, führte ihn sein Weg weiter bis nach Österreich.

„Ich komme schon aus einem Land, wo die Menschenrechte verletzt werden, darum wollte ich nicht in Ungarn bleiben.“

Der gebürtige Afghane kam im Jahr 2014 als 17-jähriger unbegleiteter minderjähriger Flüchtling (UMF) in das Erstaufnahmezentrum Traiskirchen und blieb dort vorerst sechs Monate. Danach bekam er einen Platz in einer Unterkunft für junge, männliche Flüchtlinge im Burgenland. Er wohnt dort bis heute und ist froh, dass er Menschen hat, die ihm helfen. Die Leiterin dort betone immer wieder, dass alle so lange Unterstützung bekämen, wie es für sie nötig sei, erzählt Zabiullah. Obwohl jeder der Bewohner versucht so schnell wie möglich unabhängig zu werden, steht für ihn zunächst die Bildung im Vordergrund. In kürzester Zeit hat er Deutsch gelernt und nach seinem erfolgreich nachgeholten Hauptschulabschluss, besucht er jetzt eine Handelsakademie.

Afghanistan

© Pixabay

Österreich: Ort der Möglichkeiten

Zabiullah möchte gerne in Österreich bleiben und weiter seine Ziele verfolgen, dazu gehört eine Lehre zum Bürokaufmann und eine eigene Wohnung. Er sieht Österreich als Ort der Möglichkeiten. Derzeit bekommt er, neben der betreuten Unterkunft, als Grundversorgungsleistung 40 Euro im Monat. Damit kann Zabiullah zwar überleben, aber um seine Ziele verwirklichen zu können benötigt er mehr. In seiner Freizeit macht er gerne Sport – vor allem Volleyball und Fußball – und trifft sich mit seinen Schulfreuen um ins Kino zu gehen.

Unsicherer Aufenthalt

Auch Zabiullah kennt einige Afghanen, die nach vielen Jahren in Österreich wieder zurück in ihr Herkunftsland übersiedeln mussten, ohne dort eine sichere Umgebung erwarten zu können. Der 22-jährige erzählt außerdem, dass ihn und andere Flüchtlinge, die er kennt, am meisten die langen Wartezeiten, bis man weiß wie das eigene Leben weitergehen wird, belasten würden. Das Warten kostet Nerven, die viele wegen ihres oft sehr harten Schicksals einfach nicht haben. Menschen flüchten aus Afghanistan, versuchen mit allen Kräften im neuen Land Fuß zu fassen, sich ein neues Leben aufzubauen, und werden dann wieder zurückgeschickt.

Zabiullah rechnet nicht damit aus Österreich wieder ausreisen zu müssen. Hundertprozentige Sicherheit, nicht wieder nach Afghanistan zu müssen, kann ihm aber niemand geben. Unbeirrt davon versucht er das Leben in Österreich erfolgreich zu meistern.

Liebt das Reisen, Wandern und Schreiben. Hat eine Vorliebe für Glitzer-Artikel und schöne Autos. Wollte eigentlich nie studieren, aber hat nun endgültig die Nase voll vom langweiligen Büroalltag und von hellblauen Haaren.

Post a Comment

You don't have permission to register